Verzeihen statt verzichten
Meine persönliche CO2-Klimabilanz ist eigentlich ziemlich gut: Ich fliege fast nie, fahre seit Jahren bei Wind und Wetter mit dem Rad zum Theater und unternehme alle Dienstreisen mit der Bahn. Unser Vier-Personen-Haushalt hat inzwischen einen Energieverbrauch eines durchschnitt -lichen Ein-Personen-Haushalts, unsere Lebensmittel sind größtenteils «Bio». So weit, so gut; so weit, so privilegiert.
Denn zur Wahrheit gehört, dass es mir meine Arbeits- und Lebenswelt auch einfach macht, mich so zu verhalten und auf Dinge zu verzichten, die für andere unverzichtbar sind.
Meine Arbeitsmaterialien passen in einen Rucksack. Wenn das Fahrrad kaputt ist, gibt es in Leipzig ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Meine Dienstreiseziele sind nicht auf anderen Kontinenten, können problemlos ohne Flüge erreicht werden. Und wenn ich mich ökologisch fair und gesund ernähren möchte und mir dies leisten kann, bietet mir Leipzig zahlreiche Möglichkeiten. Meine persönliche Klimabilanz ist also nicht schlecht. Und doch wird das alles nicht genügen, wird meine persönliche Bilanz allein nicht genügen, braucht es größere klimapolitische Aufschläge. Dafür liegen viele Vorschläge und Ideen aus Wissenschaft und ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 59
von Enrico Lübbe
Plötzlich / aus dem Schlaf schrecken» lauten die ersten Worte in Thomas Freyers neuem Stück «Ajax», in dem er den trojanischen Krieg mit der Gegenwart verschneidet. Das böse Erwachen wird im Verlauf des Geschehens nicht nur die gleichnamige Hauptfigur treffen. Zunächst ist es jedoch der zehnjährige Jonathan, der in der «nächtlichen Stille» das Bett verlässt und «in...
Und natürlich könnte ich hier jetzt mit großer Geste die Utopie eines Theaters des Verzichts proklamieren. Was braucht es denn mehr als die paar Bretter, die die Welt bedeuten, und ein paar Leute, zur Not auch Lai:innen, die sich da rauf stellen, um uns hier unten zu belustigen. Wir packen ein paar Kostüme auf den Leiterwagen und ziehen los, ganz wie in alten...
Selbstsicherheit klingt anders. «Liebe ich es nicht mehr oder liebe ich es zu sehr?», fragt Sivan Ben Yishai mit einem alten Roland-Barthes-Zitat im Untertitel ihrer «Bühnenbeschimpfung» und macht der moralischen Anstalt die Rechnung auf: die großen und kleinen Widersprüche zwischen den meist hehren Anliegen, die auf der Bühne verfochten werden, und den nicht immer...
