Rassismus in der Paartherapie
Eine Sextherapie gegen Rassismus: «Slave Play» wirkt auf den ersten Blick ziemlich abgedreht. Doch vielleicht zeichnen sich gute Ideen genau dadurch aus, dass sie anfangs befremden und am Ende den Eindruck hinterlassen, dass sie eigentlich ziemlich naheliegend waren. In dem Stück des dreißigjährigen Autors Jeremy O. Harris, das Anfang Oktober am Broadway Premiere feierte, geht es um drei Paare in Beziehungskrisen. Es bestehen zwischen ihnen nicht viele Gemeinsamkeiten, abgesehen davon, dass jeweils einer der Partner schwarz und einer weiß ist.
Dass ihre Beziehungsprobleme etwas mit ihrer Hautfarbe zu tun haben sollen, wie die zwei esoterisch angehauchten Therapeutinnen behaupten, leuchtet den meisten von ihnen nicht ein. Im Verlauf des Abends steht uns Zuschauern aber genau das zunehmend deutlich vor Augen.
Zurück in die Sklavenhaltung
Am vierten Tag der einwöchigen Paartherapie steht ein Rollenspiel auf dem Programm, das unmittelbar vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs angesiedelt ist. Sie sollen in die Rollen von versklavten Menschen und Sklavenhaltern schlüpfen und unter diesen historischen Vorzeichen ihre sexuellen Fantasien ausleben. «Antebellum Sexual ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: International, Seite 40
von Birthe Mühlhoff
«King Lear, so etwas fehlt uns», klagte Corinna Kirchhoff vor ein paar Jahren über den Mangel an Rollen für ältere Frauen. Penelope Skinner hat Abhilfe geschaffen. Nun gibt es «Linda», eine tragische Frau, die das Richtige will, aber grässliche Fehler macht. Irgendetwas ist doch von Anfang an falsch, wenn man die Gleichberechtigung der Frauen oder gar die...
Nicht, dass niemand es hat kommen sehen! Eine riesige, hässliche «Welle» aus Polstern, Kissen, in gewaltige Säcke gestopften Hüpfbällen und Füllmaterialien wälzt sich in Zeitlupe aus der Bühnentiefe in Richtung Rampe. Anscheinend wird sie von vier Showcase-Beat-Le-Mot-Performern nach vorne geschoben (gelegenlich sieht man zufällig einen Arm oder Kopf). Etliche...
Keinen Moment zweifelt Ophelia daran, dass Hamlet sie noch liebt. Das Beste für sie will, auch wenn er es nicht sagen kann. In jener üblen Szene, in der er die junge Frau demütigt, beleidigt, ins Kloster schicken will, hebt sie ihn einfach hoch. Die schmale Gina Haller mit fast kahl rasiertem Kopf, Herrenjackett über dem weißen Kleid, nimmt ihn und stellt ihn...
