Neue Stücke · Aufführungen (1/2020)
Aufführungen
Im Deutschen Theater Berlin trifft der unermüdlich drehbühnenkreiselnde Ulrich Rasche auf Sarah Kanes letztes Stück, den ausweglosen Depressionssog von «4.48 Psychose». Eher umgekehrt sucht Susanne Kennedy in «Ultraworld» an der Volksbühne Berlin nach einem Modell für die Welt und die Bewusstwerdung eines Menschen.
Sowohl Johan Simons in Bochum als auch Karin Beier am Hamburger Deutschen Schauspielhaus beschäftigen sich mit Tschechows tief ermüdetem Reformer Iwanow, der sich inzwischen mehr für die Liebschaft auf dem Nachbargut interessiert. In Frankfurt hält sich Milos Lolic in Sachen Liebe dagegen an Heiner Müllers moralfreien Geschlechterkampfklassiker «Quartett». «Heldenplatz», Thomas Bernhards Hassliebeserklärung an sein Heimatland Österreich, bringt Franz-Xaver Mayr auf die Bühne des Schauspiels Graz. Am Hamburger Thalia Theater sucht Jette Steckel nach dem Geheimnis von Hamlets seltsamer Handlungshemmung in einer politischen Familie, während sich Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen in den ewigen Kampf von Brechts «Dickicht der Städte» stürzt. Frank Castorf folgt in Köln Carl Sternheims Spießbürgertrilogie «Aus dem bürgerlichen Heldenleben» auf ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Daten, Seite 64
von
Keine untergehende Berufsgruppe, Partei oder Gesellschaft, die sich nicht wunderbar in der Eigentümerin des «Kirschgartens» spiegeln ließe! Zwar ist die Ranjewskaja mehr als pleite, aber eben auch reich gesegnet mit der Grundarroganz verarmter Aristokraten. Dass ihr Gut versteigert wird, steht zwar unmittelbar bevor, kann aber dessen ungeachtet eigentlich gar nicht...
Auch das postdramatische Theater ist inzwischen in die Jahre gekommen. Mit einer Tagung in der Berliner Akademie der Künste und einem Festival im Kreuzberger Hebbel am Ufer feierte das gleichnamige Buch von Hans-Thies Lehmann soeben seinen 20. Geburtstag. Und weil entsprechende Kulturtechniken im Alter ja erbarmungslos zuschlagen, wurde es bei dieser Gelegenheit...
Vergessen Sie den Kampf der Geschlechter. Hat ja lange gedauert, hat Kraft genug gekostet. Erst diese ganze Body-Aufrüstung im Kraftraum, am Schminktisch. Dann der Cyberwar auf Tinder, die Real-Life-Rückschläge. Dazu diese missverständlichen Verbalscharmützel beim ersten Rendez-vous, das Risiko des technischen Versagens an der Bettkante, allfälliges Tappen in die...
