Räumliches Erzählen
Drei Romane – drei Weltentwürfe, zwei davon fast parallel vor hundert Jahren im Echoraum des Ersten Weltkriegs entstanden, der dritte erst 2023 und um den sozialen Kahlschlag von den 1980ern bis heute kreisend, haben im Februar (ganz unabhängig voneinander) den Weg auf die drei großen Münchner Schauspielbühnen gefunden. Am Volkstheater startete Claudia Bossard mit einer raumgreifenden Begehung von Thomas Manns «Zauberberg», an den Kam -merspielen testete Sandra Strunz die dialo -gische Tragfähigkeit des neuen, bisher nur auf Deutsch erschienen Erzählwerks der Britin A. L.
Kennedy «Als lebten wir in einem barmherzigen Land» und am Residenztheater hat sich Karin Henkel zum 100. Todestag Franz Kafkas den letzten und hermetischsten seiner drei unvollendeten Romane, «Das Schloss», ausgesucht und zusammen mit dem Bühnenbildner Thilo Reuther zu einer schwindelerregenden Raum -skulptur ausgebaut. In allen drei Fällen lenkt die Szenografie die dramatische Erzählung auf wesentliche Weise.
Bürokratie des Traums
Bei Henkel sind wir im Parkett anfangs noch außen vor und Zeugen des Geplänkels zweier verdruckster Clowns, die als Vorposten in kleinen Schaltzentralen rechts und links am Portal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
BERLIN, C/O BERLIN bis 22.5., Valie Export. Retrospektive
Expanded-Cinema-Aktionen, Performances, Konzeptfotos, multimediale Installationen und urbane Interventionen der feministischen Medien- und Performancekünstler:in Valie Export (*1940), die zwischen 1966 und 2009 entstanden sind, darunter «Tapp und Tastkino» (1968), eine frühe Expanded-Cinema-Aktion, bei der...
In schwarzer Latzhosenrüstung mit Glitzerumhang und mit stattlichem Pferd steht sie da vor einer mit Folien abgedeckten Welt und kann gar nicht so recht glauben, was ihr die Katze da so alles berichtet: Von Opfergaben an einen ominösen Drachen, der das Dorf mafiös beschützt, und einer Bevölkerung, die voller Verblendung das Leid dem Kampf und der ungewissen...
Heimat gilt heutzutage als toxischer Begriff und ist politisch hart umkämpft. In Cottbus unterzieht Armin Petras in «Ich mach ein Lied aus Stille» die dortige Brandenburger Heimat einer poetischen Autopsie. Grundlage für den langen dreiteiligen Abend sind Erwin Strittmatters «Ole Bienkopp», Gedichte von Eva Strittmatter und Judith Hermanns Roman «Daheim», letzterer...
