Rätsel in Schwarz
Die Beliebtheit des Medea-Mythos dürfte unter anderem in seiner dreifachen Verwertbarkeit für heute liegen: Zum einen das Thema Kindsmord als ein aus Verzweiflung geborener Akt der Autoaggression. Zum anderen das immer gültige Ehedrama: Er nimmt sich eine Jüngere, sie bleibt als desperate Ex zurück. Zum dritten aber auch die arrogante Xenophobie, die ein anscheinend aufgeklärter Zeitgenosse wie der Grieche sich gegenüber den «Barbaren» aus Kleinasien leistet und die im dritten Teil von Franz Grillparzers Trilogie vom Beginn des 19.
Jahrhunderts rund um den Raub des goldenen Vlies’ eine große Rolle spielt.
In «Medea» akzentuiert Grillparzer vor allem die Willkür der Staatsgewalt und die juristisch anmutenden Winkelzüge des korinthischen Königs Kreon zur Abschiebung der Gattin Jasons, den er sich an der Seite seiner Tochter Kreusa gut vorstellen kann. In Mannheim, wo die junge Lisa Nielebock inszeniert hat, ist der inzwischen nicht mehr so ganz heimliche Star des Ensembles, Ragna Pitoll, zuerst einmal eine Medea der Unnahbarkeit. Wie sie da sitzt im kurzen Schwarzen und dunklen Rollkragenpulli, könnte sie eine Rechtsanwältin aus einer US-amerikanischen Law-and-Order-Serie sein. Eine ...
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Neue Stücke
Die Mülheimer «Stücke», das wichtigste Festival für neue deutschsprachige Dramatik, hat kurz nach dem Berliner Theatertreffen seine Liste der bemerkenswertesten uraufgeführten Stücke des letzten Jahres veröffentlicht: Fritz Kater «Heaven (zu tristan)» (Maxim Gorki Theater Berlin/schauspielfrankfurt), Dea Loher «Das letzte Feuer» (Thalia Theater...
Ständig knackt der Mann Nüsse. Hirnförmige Walnüsse natürlich, denn Peter Lohmeyer als Sebastian Färber, Spitzenarchitekt und Workaholic, besteht selbst nur noch aus Hirn. Tag und Nacht sitzt er über seinen Bauplänen, jagt genialisch den Zeichenstift übers Papier und futtert Walnüsse, die er wie Qi-Gong-Kugeln in der linken Hand klackern lässt, bevor er sie knackt....
