Monster sehen anders aus

Am Schauspielhaus Zürich inszeniert Stefan Pucher William Shakespeares «Kaufmann von Venedig», Alvis Hermanis die Kapitel zwei bis sieben von Fjodor Dostojewskis «Der Idiot»

Der ältere Herr, der aus dem Bühnendunkel ganz nach vorn an die Rampe tritt, sich setzt und mit den Beinen baumelt, sieht aus, als wolle er gleich mit dem Publikum schmusen. Zutraulich lässt Jean-Pierre Cornu seinen Blick über den Zuschauerraum wandern, forscht sehnsuchtsvoll in einzelnen Gesichtern. Ein melancholisches Lächeln spielt um die bitteren Lippen, als wüsste er, dass er mit seinem Schmerbäuchlein, das sich unterm halbtransparenten Seidenhemd wölbt, und der grau melierten Langhaar-Lockenpracht ein bisschen lächerlich ausschaut.

«Ich weiß wirklich nicht, warum ich so traurig bin», gesteht er leise, «es nervt mich. Andere nervt es auch.» Das intime Bekenntnis des venezianischen Kaufmanns Antonio, dessen Flotte sämtliche Weltmeere bereist, hat schon viele Deutungen erfahren: Von der ersten Altersdepression eines Bonvivants über die berufliche Krise des Risiko-Unternehmers bis hin zur unterdrückten Liebe zum flotten Bassanio.
 

Monster sehen anders aus

Auch Robert Hunger-Bühlers Shylock ist ein Geschäftsmann mit sanften Zügen und silbernem Haar, das sich orthodox von den Schläfen lockt. Um den weißen Hemdkragen liegt ein schwarzes Headset-Kabel, der Gebetsriemen des ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Eva Behrendt

Vergriffen
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Erwin Geschonneck war schon 43 Jahre alt, als er in seiner Heimatstadt Berlin debütierte. In der ersten Aufführung des neugegründeten Berliner Ensembles, Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti», spielte er den proletarischen Widerpart des Gutsbesitzers und Leuteschinders, den der von Brecht aus der Schweiz geholte Leonard Steckel schon bei der Zürcher...

Notizen

Neue Stücke

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Quickies mit Marx

Nachdem schon die Bühnenversion mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, erhält nun das Hörspiel «Karl Marx: Das Kapital, Band I» von Helgard Haug und Daniel Wetzel den bedeutendsten deutschen Hörspielpreis. Eine Diskussion, ob das ein nach­spielbares Stück sei, wie Kritiker zur Mülhei-mer Entscheidung anmerkten, wird es in diesem Fall aber wohl nicht...