Porträt des Künstlers als Legende
Klaus Kinski war schon zu Lebzeiten eine Legende und wurde es nach seinem Tod 1991 um so mehr. Und wie man so sagt bei Legenden: «Ich habe ihn noch erlebt.» 1962, als er auf Deutschlandtournee in wechselnden Kostümen und Dekors Monologe von Hamlet bis Franz Moor schrie, kreischte, flüsterte und ächzte. Wenn jemand an der falschen Stelle hustete oder lachte, schleuderte er Kronleuchter (mit brennenden Kerzen!) ins Publikum. Kinski wurde schon damals vergöttert und geschmäht, gepriesen und verdammt wie niemand sonst.
Christus Kinski
An die 30 Sprechplatten nahm er auf, mit Gedichten von Villon, Baudelaire und Rimbaud, Werken von Goethe, Dostojewski und Büchner. Dann, 1971, spricht er Kinski, nicht im Tonstudio, sondern in der Deutschlandhalle. «Jesus Christus Erlöser» heißt der Text, den er zehn Jahre lang immer wieder überarbeitete und der, 30 Schreibmaschinenseiten lang, daherkommt wie ein Aufruf mit Flammenschwert. Es ist eine Radikalversion des Neuen Testaments mit einem Christus, der «Prostituierte, Zigeuner und die schreienden Mütter von Vietnam» um sich sammelt und zum Che Guevara des Glaubens und des Aufruhrs wird. Wie in Pasolinis «Matthäus-Evangelium», wie in ...
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