Radikale Kehrtwende
Wir fliegen nicht oder kaum mehr. Kurator:innen als Jetsets der Kunstszene haben ausgedient. Wir optimieren unsere Reisen, halten Besprechungen meist per Zoom ab und achten auf unsere persönliche CO2-Bilanz. Der ICE, der TGV oder der Girundo sind zu unseren ruhigsten Büroräumen geworden. Der Speisewagen serviert inzwischen auch vegane Kost. Mein Lieblingsessen: Planted Chicken Paprika Zitrone. Im Schlafwagen produziert das kontinuierliche Rütteln einen leichten, aber sanften Schlaf.
Interkontinentalflüge machen sich nicht gut in der persönlichen Klimabilanz, braucht man sie? Diese Frage wird entweder kontrovers diskutiert oder eher unter der Decke gehalten. Eine Generation junger Klimaaktivist: -innen lehnt das Fliegen vollständig ab. Eine kleine, wenn auch wachsende Zahl von Künstler:innen sehen das genauso. Während Theater, internationale Produktionshäuser und Festivals zaghaft beginnen daran zu arbeiten, Klima -standards zu setzen (keine Flugreisen bei Strecken unterhalb von 800 km, keine Exklusiveinladung von Produktionen, bei denen interkontinental gereist werden muss, leicht transportierbare und nachhaltig produzierte Bühnenbilder), bewegen sich die Forderungen von ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 54
von Amelie Deuflhard
Mal ehrlich? Ich glaube, ich bin, wie viele, ein lebender Widerspruch. Ich habe ein Auto, mit dem ich regelmäßig zwischen meinem Haus in einem niederländischen Dorf und Bochum, wo ich arbeite, hin und her fahre, wenn ich am Wochenende in meiner Heimat war. Mein Dorf zu Hause hat keinen Bahnhof, und selbst vom nächstgelegenen Ort, zu dem ich wiede -rum 20 Minuten...
Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische...
Ich verzichte auf: Unnötige Autofahrten – außer Eishockeytaschen und Eishockeyspieler müssen transportiert werden, scheint das sehr gut aufzugehen. Manchmal wäre es hilfreich, wenn die Bahn nicht so willkürlich geworden wäre, dass man manchmal einfach in Darmstadt oder Basel Bad so mir nichts dir nichts nachts gestrandet wäre … «Nein, also das nächste Mal fahre ich...
