Projektionen, Projektionen
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus zusammengeschweißten Platten, wuchtig karg und dekorativ zugleich.
«Der Riss durch die Welt» heißt das Auftragswerk, mit dem sich der Uraufführungsreigen zu Beginn der Intendanz von Andreas Beck am Münchner Residenztheater fortsetzt. Tatsächlich ist es die alte Kluft zwischen Reich und Arm, privilegiert und ausgeschlossen, die sich durch die Eskalation der multiplen globalen Krisenlage nur noch verschärft, die Abschottung und die tödlichen Grenzen, über die auch Kunst keine Brücken bauen kann, weil sie in Teilen zumindest immer auch Teil des Systems ist. Roland Schimmelpfennig hat dazu nach bewährter Methode Gegenwartskonfliktpotenzial mit archaischer Erzählung – hier kein Mythos, sondern passend zum Klimawandel die zehn biblischen Plagen – kurzgeschlossen und ein Konversationssetting konstruiert, in dem zwei Paare unterschiedlichen ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Eine Performance von
Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Catalina Bucos, Doina-Romanta Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Unter Anrufung der Geister unserer Mütter und Großmütter befehlen wir die Verdammung der Monogamie
ALLE
Ging das Mädchen seines Wegs
traf die Monogamie...
Keinen Moment zweifelt Ophelia daran, dass Hamlet sie noch liebt. Das Beste für sie will, auch wenn er es nicht sagen kann. In jener üblen Szene, in der er die junge Frau demütigt, beleidigt, ins Kloster schicken will, hebt sie ihn einfach hoch. Die schmale Gina Haller mit fast kahl rasiertem Kopf, Herrenjackett über dem weißen Kleid, nimmt ihn und stellt ihn...
Smart sieht er aus, dieser Iwanow, der jetzt Nikolas «Nicki» Hoffmann heißt: Wie er so traurig in den Himmel guckt, dabei von der Videokamera eingefangen und an die Rückwand der Bühne gezoomt wird, während die melancholische Songwriterstimme von Bill Callahan erklingt, der eine traurige Ballade von Dunkelheit und sterbenden Schatten singt. Ein bisschen wie im Film...
