Mannheim: Die Blow-Jobberin
Wie heißt er denn jetzt umgangssprachlich, der Cunnilingus, der Blow Job für die Frau? Ein merkwürdig bezeichnungsfreier Akt ist das, und das spricht natürlich auch schon für sich. Olivia Öl jedenfalls hätte gern einen, oder mehrere – aber nicht von ihrem Freund Popeye. Da ist die Scham davor: Die Scham vor dem Geruch, vor dem Geschmack, vor dem Überhaupt ihres Geschlechtsorgans.
Und schon hängt sie mittendrin im Paradox, mittendrin im multipel geschichteten Dilemma: Zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung, Erwartung und Realität, zeitgenössisch feministischer Haltung und historisch tiefsitzender patriarchaler Gesellschaftsstruktur, in der die Frau noch immer das Andere ist. Und nicht das Eigentliche. Sivan Ben Yishai treibt diese Dilemmata in ihrem neuen Stück «LIEBE/Eine argumentative Übung» zu satirischer, klitoris-pinker Blüte.
Denn das mit der Liebe ist nicht so einfach 2019: Frau ist Feministin, natürlich, ist aufgeklärt, ist beruflich erfolgreich und unabhängig. Und eigentlich geht es ihr richtig gut. Aber es gehört immer noch ein Mann zum Erfolgsmodell eines gelingenden Lebens, in dem es nicht in Frage kommt, kein Paar zu sein. Allein, das Patriarchale hält sich im Privaten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Esther Boldt
Im Anfang ist da nur dieses eine Wort. Klingt natürlich im Englischen viel charmanter, und noch charmanter klingt es, wenn es aus dem Munde eines echten Gentleman herausströmt wie ein Stück Sahnecremetorte. Und genau so ist auch der Auftritt von Sir Henry zu Beginn von «Howl» in der Volksbühne Berlin: Im eleganten Anzug, auf dem Haupt einen schicken schwarzen Hut,...
Man kann es kommen sehen. Dass in dieser Ballettstunde nicht alles mit richtigen Dingen zugeht, ist eigentlich schon auf den ersten Blick klar. Schließlich steht die Ballettlehrerin Beatrice «Trixie» Cordua mit ihren achtzig Jahren nackt auf der Bühne. Wie selbstverständlich fordert sie ihre Schülerinnen dazu auf, die Ballettstangen auf die Bühne zu stellen, um...
Eine Sextherapie gegen Rassismus: «Slave Play» wirkt auf den ersten Blick ziemlich abgedreht. Doch vielleicht zeichnen sich gute Ideen genau dadurch aus, dass sie anfangs befremden und am Ende den Eindruck hinterlassen, dass sie eigentlich ziemlich naheliegend waren. In dem Stück des dreißigjährigen Autors Jeremy O. Harris, das Anfang Oktober am Broadway Premiere...
