Sog des Jammerns

Von der russischen Provinz des 19. Jahrhunderts in den deutschen Mittelstand der Gegenwart: Der britische Autor und Regisseur Robert Icke hat Tschechows «Iwanow» aktualisiert

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Smart sieht er aus, dieser Iwanow, der jetzt Nikolas «Nicki» Hoffmann heißt: Wie er so traurig in den Himmel guckt, dabei von der Videokamera eingefangen und an die Rückwand der Bühne gezoomt wird, während die melancholische Songwriterstimme von Bill Callahan erklingt, der eine traurige Ballade von Dunkelheit und sterbenden Schatten singt. Ein bisschen wie im Film ist das. 

Immer zwischen den Akten werden im Stutt­garter Schauspielhaus solche Emo-Sequenzen eingebaut in Robert Ickes Inszenierung von Tsche­chows «Iwanow».

Vor dem zweiten Akt taumeln zur gefälligen Video-Replik sogar noch bunte Luftballons von oben herunter und künden die Party bei den Lehmanns an, die im Original Lebedew heißen. Aber am Ende füllt sich der Heckmeck mit der Videokamera doch noch mit ein bisschen Sinn. Nachdem sich Iwanow die Pistole in den Mund gesteckt und erschossen hat, sieht man ihn aus der Vogelperspektive in einer Blutlache liegen. Die Familie seiner Braut in spe beugt sich über seinen toten Körper, schreit und heult, während der Iwanow-Darsteller Benjamin Grüter sich erhebt und leise den Saal durch den Zuschauerraum verlässt. Ein trefflich inszeniertes Ende – das freilich allzu sehr an ...

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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Verena Großkreutz

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