Sog des Jammerns
Smart sieht er aus, dieser Iwanow, der jetzt Nikolas «Nicki» Hoffmann heißt: Wie er so traurig in den Himmel guckt, dabei von der Videokamera eingefangen und an die Rückwand der Bühne gezoomt wird, während die melancholische Songwriterstimme von Bill Callahan erklingt, der eine traurige Ballade von Dunkelheit und sterbenden Schatten singt. Ein bisschen wie im Film ist das.
Immer zwischen den Akten werden im Stuttgarter Schauspielhaus solche Emo-Sequenzen eingebaut in Robert Ickes Inszenierung von Tschechows «Iwanow».
Vor dem zweiten Akt taumeln zur gefälligen Video-Replik sogar noch bunte Luftballons von oben herunter und künden die Party bei den Lehmanns an, die im Original Lebedew heißen. Aber am Ende füllt sich der Heckmeck mit der Videokamera doch noch mit ein bisschen Sinn. Nachdem sich Iwanow die Pistole in den Mund gesteckt und erschossen hat, sieht man ihn aus der Vogelperspektive in einer Blutlache liegen. Die Familie seiner Braut in spe beugt sich über seinen toten Körper, schreit und heult, während der Iwanow-Darsteller Benjamin Grüter sich erhebt und leise den Saal durch den Zuschauerraum verlässt. Ein trefflich inszeniertes Ende – das freilich allzu sehr an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Verena Großkreutz
Ist Yael Ronen plötzlich esoterisch geworden? Schon öfters hat sich die israelische Regisseurin mit dem beißenden Humor jetzt als Schamanin bezeichnet, und wer ihr auf der Straße in Kreuzberg begegnet, sieht sie mit allerlei Klunkern und Ketten behängt. Und jetzt auch noch im Theater: «Rewitching Europe», die Wiederverhexung Europas, nennt sie ihre neueste...
Willy Werchow (Sebastian Kowski) dürfte für viele Ex-DDRlerinnen und -DDRler ziemlich anschlussfähig sein: Als Leiter der Druckerei «Aufbruch» in der thüringischen Provinz arrangiert er sich zwar so weit mit dem System, dass es ihm keine Schwierigkeiten macht, aber auch nur so weit, dass er noch einigermaßen selbstachtungsverlustfrei in den Spiegel schauen kann....
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
