Im Selbstwiderspruch
Die Hip-Dichte war ganz enorm», mit diesem schönen Satz beginnt eine Theaterrezension der «Zeit» vom 2. Mai 1997. «Ja, es scheint so, als wäre Frank Castorfs Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bei der Premiere von ‹Trainspotting› der hippeste place in town, denn so viel grünes Haar und Schwarzgewand, so viel Nach-Sartre-Existentialismus hinter den schwarzen Brillen, so viel Foucault-Glatze war selten.» Auch ich war damals Publikum, zusammen mit meinem Ex-Freund, einem Ostberliner Jurastudenten, der mich ein paar Jahre früher mit seiner Volksbühnenleidenschaft infiziert hatte.
Ich saß zwar erst ein paar Vorstellungen später drin mit einer anscheinend nicht nur aus heutiger Perspektive problematischen Haartönung in Henna-Rot. Aber die Überzeugung, mich am hippsten place in town zu befinden, teilte ich hundertprozentig.
Wie lässt sich das Publikum der Volksbühne beschreiben, zumal über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren? Natürlich am besten anhand eines Fallbeispiels. Immerhin bin ich 18 Jahre lang in die Volksbühne gepilgert, und nicht nur aus professionellen Gründen. Wobei das Verb mit Bedacht gewählt ist: Es schwang eben mehr mit als reiner Kritiker-Ehrgeiz oder Bildungs- und ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Konsens im Parkett, Seite 22
von Eva Behrendt
Ausgerechnet eine TV-Serie (wenn auch nicht die schlechteste!) inspirierte Noah Haidle 2008 zu einem wahren Mammutprojekt: «Ich sah die Fernsehserie ‹24› und wollte so etwas auf die Bühne bringen. Heraus kam ein Zyklus von Stücken, den ich ‹Local Time› nannte», sagte Haidle. Zwölf jeweils zweistündige, thematisch lose miteinander verbundene Zweiakter sollten 24...
Der Titel des neuen Stücks von Jonas Hassen Khemiri ist ein kleines mathematisches Zeichen: ≈ [ungefähr gleich]. Damit wird das mittlere der drei großen, nach wie vor uneingelösten republikanischen Versprechen «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» in den Blick genommen. Es sind große Fragestellungen, die, wie der Autor selber sagt, «das Schreiben beeinflusst...
Anfang diesen Jahres, um genau zu sein: am 8. Februar 2015, hatten wir, Nicolas Stemann und ich, uns mit Elfriede Jelinek verabredet. Es war gewissermaßen ein Antrittsbesuch der zwei Neuen in dieser Stadt – Nicolas Stemann wird ab dieser Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Viel mehr, als sich «Grüß Gott» zu sagen und die künstlerische...
