Positionen
Nicolas Stemann: Verstecken spielen
Bezeichnet man mit «Künstler» jemanden, der eine künstlerische Tätigkeit ausübt, dann ist es natürlich leicht, diese Frage mit Ja zu beantworten: Das tun wir alle. Versteht man darunter jemanden, der Kunst macht, dann wird es schon komplizierter. Es gibt viele Dinge, die Theater davon abhalten, Kunst zu sein. Zum Beispiel die Angst. Und damit einhergehend das Bedürfnis nach Sicherheit.
Alle wollen immer irgendeine Absicherung, was schließlich dazu führt, dass sich alle permanent hinter irgendetwas verstecken.
Die Schauspieler verstecken sich hinter dem Stück und dem Regisseur, hinter klaren «Verabredungen», ihrem «Handwerk» oder ihren «Figuren». Die Bühnenbildner verstecken sich hinter dem Regisseur und hinter anderen Zwängen – sonst würden sie doch mit ihrem Gestaltungstalent eine Kunstsparte suchen, in der sie freier und eigenständiger agieren können. Die Dramatiker verstecken sich in der Regel hinter dem Medium Theater, sonst würden sie doch Romane schreiben oder Gedichte. Die Regisseure verstecken sich hinter den Schauspielern, die sie ihre ureigenen Geschichten verkörpern lassen, weil sie sich das selbst nicht trauen würden. Und das ist ja ...
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Theater heute Juni 2009
Rubrik: Was heisst hier Kunst, Seite 10
von Stemann, Kaegi, Hartmann, Ostermeier, Meyerhoff, Rosmair, Gerstner, Hartmann, Berg, Loher, Kimmig, Bosse, Heller, Brack, Kusej, Jelinek, Lösch
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Wir haben halt nicht mehr so viel Zeit. Wer kann sich noch über Tage an einer Tausend-Seiten-Romanwelt sattlesen? Eine Zürcher Zeitung hat gerade viel Erfolg mit einer literarischen Sättigungsbeilage, die sie «GetAbstract» nennt: «Werther», Flaubert, die «Gefährlichen Liebschaften» auf ein paar A5-Seiten! Da liegt Barbara Weber goldrichtig mit ihrem...
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