Der Anti-Divo
Als mir Toni Servillo an diesem sonnigen Märztag auf der schönen Piazza des Teatro Carignano in Turin entgegenkommt, sieht er von Weitem nicht viel anders aus als der von ihm verkörperte camorristische Giftmüllmanager Franco aus dem «Gomorrha»-Film. Zwar trägt er statt des hellen Leinenanzugs eine dicke Jacke und einen Schal, und die Haare sind nicht ganz so grau und kurz wie bei dem aalglatten «Stakeholder», aber die leichte Bräune des Südens, die coole Sonnenbrille, die Distinguiertheit, die ihn für die Rolle prädestinierte, sind unverkennbar.
Im Film allerdings verbirgt sich hinter der Maske der Verbindlichkeit der Typus des «neuen» Mafioso, der sich die Hände nicht mehr schmutzig macht und die effiziente Entsorgung des tödlichen Drecks der Industrienationen zu Dumping-Preisen als ganz normales Geschäft betreibt; der genau weiß, wie sich die Vorschriften des Europäischen Abfallkatalogs umgehen lassen, und der im Ernst stolz darauf ist, seinen Beitrag geleistet zu haben, dass «dieses Scheißland heute in Europa etwas gilt». Franco ist das Gesicht der globalisierten Mafia-«Elite» aus Universitätsabsolventen, der genialen Köpfe des kriminellen Geschäfts, passables Aussehen und ...
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Wenn ich nochmal jünger wäre», sagte die damals 52-jährige Gisela Stein 1987 in einem «Theater heute»-Gespräch, «hätte ich versucht, mich zu einer Anarchistin auszubilden», um «diese Gesellschaft, die sich selbst so toll findet in ihrem eigenen Saft», noch anders aufzumischen. Sie sprach auch von ihren Kriterien: «Die Sehnsucht, etwas zu entdecken anhand von...
Eigentlich dürfte er sich auf den Lorbeeren ausruhen, die er als Dramatiker, Dissident und Präsident erlangt hat. Müsste nicht mehr zu seinen Premieren anreisen und gute Miene zum schlechten Spiel machen. Könnte ja auch die Füße hochlegen und Gedichte schreiben. Will Václav Havel aber nicht!
Vor rund 20 Jahren hat er zuletzt ein Stück präsentiert, nun kehrt der...
