Feucht-fröhliche Träume
Henry Millers Roman «Sexus» eilt der üble Ruf voraus, das Ficken ficken genannt zu haben, lange bevor dies offiziell üblich war. In Oberhausen soll die Idee, «Sexus» auf die Bühne zu bringen, aus Diskussionen um den «Sommernachtstraum» hervorgegangen sein: Und in der Tat könnte man in «Sexus» den Sommernachtstraum des 20. Jahrhunderts sehen. «Was meinst du, was das Leben ist – ein feuchtfröhlicher Traum?», fährt eine der Figuren den Ich-Erzähler einmal an.
Das kommt der Wahrheit nah, denn «Sexus» ist ein grandioses Plädoyer für ein befreites Leben – und zugleich eine romantische Liebesgeschichte. Obszön ist das Buch kein bisschen. Öffentliche Meinungen über Literatur speisen sich oft aus sekundären Motiven, etwa aus der jeweils herrschenden Sexualmoral. Da kann schon mal ein kapitaler Text auf dem Index landen.
Wenn man «Sexus» heute (wieder) liest, zeigt sich, was für ein scharfsinniges, beredtes, psychologisch fundiertes Buch es ist. Als es 1947 erschien, war Henry Miller 56 Jahre alt und hatte seinen Ruf als Skandalautor bereits sicher. Er macht sich nicht die Mühe, seinen Helden hinter einem fiktiven Namen zu verstecken. Die Geschichte erzählt von einem jungen Mann, ...
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