Pop und Terror

«Big in Bombay»: Constanza Macras, der Shooting Star der Berliner Tanzszene, hat aus Indien Bilderfluten mitgebracht

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Vielleicht war ja mal wieder Jean Baudrillard dran schuld. Oder Paul Virilio oder Guy Debord oder einer von denen. Der Aufstand der Zeichen, die Geschichte als Retro-Szenario, rasender Stillstand, you name it you got it. Wahrscheinlicher aber ist es einfach die Zeit, Nine-Eleven, Guantanamo, der genetische Fingerabdruck. Ein Unbehagen gegenüber der Welt und die gleichzeitige Lust, sich hineinzuwerfen in dieses Unbehagen, da die Bilder vom Terror längst Pop-Ikonen sind.

Wie soll man da die Lust von der Unlust noch trennen, das Vergnügen vom Horror, Pop von Ernstfall und Ausnahmezustand?

Pop ist auch bei Constanza Macras zugleich Oberfläche und tief empfundenes Lebensgefühl; es gibt kein Innen und kein Außen, das Empire ist überall, und so ist es auch die Multitude. Ick bin all da. Wogegen wenig zu sagen ist, weil’s ja nun mal so ist. Eines zumindest aber ist schnell klar: «Big in Bombay», die neueste, in Berlin teils geradezu hyperventilierend erwartete Produktion von Constanza Macras, die im Haus der Berliner Festspiele Premiere hatte und inzwischen in die Schaubühne gewandert ist, lebt vom Overkill der Zeichen, der Szenen, der Typen, der Ideen. Ein rasantes Spiel mit allem, was ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Tanztheater, Seite 12
von Florian Malzacher

Vergriffen
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