Heiter in die Not
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
Kein Wunder, dass sich die aus Paris zurückkehrende urlaubsgebräunte Gutsbesitzerin mit flottem Kurzhaarschnitt und Pelz nur ganz oberflächlich mit nostalgischen Gefühlen aufhält.
Bettina Engelhardt zeigt die Ranjewskaja flatterhaft, kindlich und zerstreut – lieber wird die Mähne des Spielzeugpferds geflochten, als sich mit der Realität zu konfrontieren, die Kaufmann Lopachin unermüdlich verkünden will. Hinter gemütlicher Strickjacke hält sich Martin Horn als Ranjewskajas Bruder vornehm-bieder heraus, und auch ihre Tochter Anja (Sarah Grunert) ist eine Luxus-Göre, die sich unbedarft und selbstbezogen durchplappert und schon gar nicht für die Heiratspläne ihres hektischen Girlie-Stubenmädchens (Juliane Fisch) ein Ohr hat, sich aber trotzdem den ewigen Studenten Pjotr (Torsten Flassig) als Liebhaber hält, dessen politische ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Dorothea Marcus
Yorgos Loukos sieht eine Spur angestrengter aus als im vorigen Jahr. Aber er ist immer noch Optimist, und er möchte lieber von Künstlern schwärmen, die er liebt, als über Schwierigkeiten und Kapitalkontrollen reden, die er nicht ändern kann. Und außerdem: Es muss weitergehen. Diesen Satz hört man in Athen in diesem Sommer sehr oft.
Ich treffe ihn am Morgen des 1....
Dass ihm immer noch der Ruf des Regie-Berserkers vorauseilen würde, kann man nicht behaupten. Zu lange ist es her, dass er Opernliebhaber mit halbnackten Statistinnen auf Kühlerhauben erschrecken wollte. Inzwischen inszeniert Calixto Bieito wieder auf deutschen Schauspielbühnen, und da gelten ganz andere Regeln. Wer hier für Aufregung sorgen wollte, müsste sehr...
Als Theater noch für ein Politikum gut war: 1988 plante der Musicalproduzent Friedrich Kurz, den zuvor unter anderem als Varieté, Kino und Kaufhaus genutzten Gebäudekomplex Flora im Hamburger Schanzenviertel zu einem Theater umzubauen, um dort Andrew Lloyd Webbers «Das Phantom der Oper» zu zeigen, worauf sich im damals alternativ geprägten Stadtteil Protest erhob....
