Heiter in die Not
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
Kein Wunder, dass sich die aus Paris zurückkehrende urlaubsgebräunte Gutsbesitzerin mit flottem Kurzhaarschnitt und Pelz nur ganz oberflächlich mit nostalgischen Gefühlen aufhält.
Bettina Engelhardt zeigt die Ranjewskaja flatterhaft, kindlich und zerstreut – lieber wird die Mähne des Spielzeugpferds geflochten, als sich mit der Realität zu konfrontieren, die Kaufmann Lopachin unermüdlich verkünden will. Hinter gemütlicher Strickjacke hält sich Martin Horn als Ranjewskajas Bruder vornehm-bieder heraus, und auch ihre Tochter Anja (Sarah Grunert) ist eine Luxus-Göre, die sich unbedarft und selbstbezogen durchplappert und schon gar nicht für die Heiratspläne ihres hektischen Girlie-Stubenmädchens (Juliane Fisch) ein Ohr hat, sich aber trotzdem den ewigen Studenten Pjotr (Torsten Flassig) als Liebhaber hält, dessen politische ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Dorothea Marcus
Am Anfang ist es so schlimm wie am Ende. Oder umgekehrt. Denn indem Anna Bergmann in ihrer Karlsruher Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern» zu Beginn des Abends erstmal den Schluss zeigt – Baron Tusenbach sinkt erschossen nieder –, will sie uns sagen, dass über die ganze nun folgende Geschichte das Urteil längst gefällt ist: Der Untergang ist...
Kleine Lügen können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Zum Beispiel Martina, Mitte 30. Nach dem Studium jobbt sie schon seit zweieinhalb Jahren in einem Zeitungskiosk, um die kleine Familie mit dem mäßig erfolgreichen Akademikergatten finanziell über Wasser zu halten. Erst als sie mit der Kassenabrechnung etwas kreativer umgeht, kann sie sich auch mal ihr...
Yorgos Loukos sieht eine Spur angestrengter aus als im vorigen Jahr. Aber er ist immer noch Optimist, und er möchte lieber von Künstlern schwärmen, die er liebt, als über Schwierigkeiten und Kapitalkontrollen reden, die er nicht ändern kann. Und außerdem: Es muss weitergehen. Diesen Satz hört man in Athen in diesem Sommer sehr oft.
Ich treffe ihn am Morgen des 1....
