Feindliche Übernahme?
Vor allem ist da diese Angst. Wenn man heute die Artikel zur Endphase des DDR-Theaters 1990 durchblättert, dann springt sie den Leser geradezu an: Angst vor Schließung der Häuser, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Identitätsverlust, Angst vor der Zukunft im Allgemeinen und Besonderen. Und mitten in diesen Wellen der Angst findet die Vereinigung der beiden deutschen Staaten statt – zwar nur als Beitritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes und nicht mit Volksabstimmung und neuer Verfassung –, aber immerhin.
«Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört», tönt Altkanzler Brandt, doch dieses Zusammen, das ist bald klar, wird ein weiter Weg sein. Ein Weg, in dem die vom Brandt-Nach-Nachfolger Kohl beschworenen «blühenden Landschaften» sich vor allem als Brachen von nicht genutzten Gewerbezentren darstellen: Gänseblümchen und Löwenzahn statt wirtschaftlicher Aufbruch.
Die Theater sehen diese Zukunft eher düster denn blumig. 1990 sind die Zuschauerzahlen im Osten eingebrochen, die Häuser unterstehen spätestens mit dem 3. Oktober 1990 den Kommunen und Kreisen, und die sind vor allem eines – klamm. Christoph Hein proklamiert die DDR schon als reine Fußnote der Geschichte, doch die ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Zeitgeschichte, Seite 60
von Torben Ibs
Auf die Idee muss man erst mal kommen: Bei 37 Grad Sommerhitze in Norwegerpulli und Fellmütze herumzurennen. Aber gut, wir sind in der Antarktis. Der junge Schauspieler und Regisseur Samuel Achache schickt ein sechsköpfiges Forschertrüppchen ins Polareis und hat ihnen dafür ein hübsch knirschendes Styropor-Schneefeld unter den Platanen des Cloître des Célestins...
Dass ihm immer noch der Ruf des Regie-Berserkers vorauseilen würde, kann man nicht behaupten. Zu lange ist es her, dass er Opernliebhaber mit halbnackten Statistinnen auf Kühlerhauben erschrecken wollte. Inzwischen inszeniert Calixto Bieito wieder auf deutschen Schauspielbühnen, und da gelten ganz andere Regeln. Wer hier für Aufregung sorgen wollte, müsste sehr...
Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätsprofessor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder...
