Parodie zwecklos
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die sich auch eine Literaturnobelpreisträgerin nicht besser ausdenken könnte.
Die «Ibiza-Affäre» ist so ein Fall: Ein österreichischer Rechtspolitiker, der dabei gefilmt wird, wie er in einer spanischen Ferienvilla bei Unmengen von Zigaretten und Wodka Red Bull einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte das halbe Land (Bauaufträge, die größte Boulevardzeitung, das Trinkwasser) verhökern will – wie soll man das literarisch noch toppen? Sogar
Elfriede Jelinek, die sonst vor keinem Thema zurückschreckt, hat ihren ersten Schreibreflex vorerst unterdrückt. «In diesem Fall habe ich nicht sofort reagiert, weil ja alles klar und eindeutig war», schreibt sie. «Es ist im Grunde Stoff für Kabarettisten. Aber das beste Kabarett, die beste Komödie wäre, das Ganze einfach so vorzuführen, wie es gesagt worden ist. (…) Man kann das ja nicht übertreffen, nicht einmal parodieren oder lächerlich machen, obwohl ich das natürlich versuche.»
Nachzulesen sind diese Überlegungen im Programmheft zu dem Stück, das Jelinek dann ja doch geschrieben hat: Anfang Februar, keine neun Monate nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos, wurde «Schwarzwasser» im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unter dem schönen Titel «Dokumente, Pläne, Traumreste» präsentiert der Leiter der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln, Peter W. Marx, im Alexander Verlag einen attraktiven, sehr bunt zusammengewürfelten Band zum 100-jährigen Jubiläum der Sammlung. Doch dem Titel werden viele der genderspezifisch und politisch zweifellos korrekt formulierten Textbeiträge von...
Wie wird man Darsteller oder Darstellerin ohne etwas oder jemanden darzustellen? Am besten als Zuschauerin oder Zuschauer. Wen oder was stellt der Zuschauer dann dar? Sich selbst als Zuschauer. Nur der Modus des Beobachtens wird thematisiert. Verschiedene Methoden der Verwechslung von Schauschauer und Zuspieler zeigt das Bochumer Schauspielhaus mit zwei kleinen...
Emulie weiß nicht so recht, wie ihr geschieht. Die Zehnjährige ist Gast einer schrecklich netten Familie, deren Papa so Sachen sagt wie: «Ich habe den Obdachlosen im Fernsehen brennen sehen, ein paar Ausländer haben ihn angezündet. Ich hoffe, sie waren gut integriert.» Und die Gastmama lächelt die Ängste ihres Gastkindes derart gefühllos weg, dass man sie sich auch...
