Ingolstadt: Fragmente der Furcht
Bevor man den Theatersaal betritt, wird man erst einmal von einer Art Stewardess mit einem Detektor abgetastet. Es piepst. Später ertönt ein schriller Dauerwarnton, und alle Zuschauer müssen geordnet in Gruppen den Raum verlassen und stehen draußen herum. Auf den Dächern ringsum vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen. Es ist kalt.
Am Ende ist der Mann mit der Knarre, von dem dauernd die Rede war, doch nicht erschienen, der Teddy bekommt den Kopf zurück, der ihm zuvor brutal abgerissen wurde, auf dem Teppich bleibt die Dreckspur rätselhaft und ein paar Erdbeeren sind an der Wand zerplatzt.
Nina Segals Stück «Big Guns», das in Ingolstadt von Mareike Mikat deutsch erstaufgeführt wurde, baut mit zwei Figuren verschiedenste Szenarien der alltäglichen Bedrohung auf, umkreist den Schock, lockt mit der Angst, stört die Beruhigung: Nichts ist sicher, und schuld an diesem diffusen Gefühl des Ausgeliefertseins sind letztlich wir allein. «Wir erwarten Gewalt. Wir fürchten sie. Wir verstecken uns davor. Wir suchen danach. Wir schaffen sie. Wir erzeugen sie, auch wenn wir versuchen, uns von ihr abzuwenden», schreibt die britische Autorin, die 2018 für den Berliner Stückemarkt nominiert war. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was für ein Mann! 1926 geboren, Luftwaffenhelfer, Frontkämpfer im Zweiten Weltkrieg, schwer traumatisiert, später dann John-Wayne- und Johnny-Cash-Fan, Marlboro-Raucher, Haustyrann und oberstes Familiengesetz, der seinen Sohn, als er von dessen Homosexualität erfährt, erst mal zusammenschlägt, um die Telefonnummer von dessen Geliebtem aus ihm herauszuprügeln. Mit...
Aufführungen
Deutliche Frauenübermacht auf der Regiebank im April: Alize Zandwijk kämpft in Bremen gegen den Kapitalismus und für Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe».
Daniela Löffner zerlegt in Dresden mit Wedekinds «Lulu» männliche Geschlechterbilder. Susanne Wolff gibt in Frankfurt/M. Dea Lohers «Das Leben auf der Praca Roosevelt» einen neuen...
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die sich auch eine Literaturnobelpreisträgerin nicht besser ausdenken könnte. Die «Ibiza-Affäre» ist so ein Fall: Ein österreichischer Rechtspolitiker, der dabei gefilmt wird, wie er in einer spanischen Ferienvilla bei Unmengen von Zigaretten und Wodka Red Bull einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte das halbe Land...
