Paris und Neapel
Hauptsächlich im Boulevard gibt es das hübsche Untergenre der Hinterbühnenkomödie. Der Alltag im Theater wird hier zum Thema, mit all den kleinen Dramen zwischen Probe und Aufführung, mit Liebschaften und Verletzungen, manchmal auch mit unspektakulärer Ödnis. Und wenn die Hinterbühnenkomödie raffiniert ist, dann schafft sie es, das Geschehen hinter der Bühne mit dem Stück, das auf der Bühne gezeigt wird, zu kontrastieren, in Franz und Paul von Schönthans Schwank «Der Raub der Sabinerinnen» etwa oder in Michael Frayns postmodernem «Der nackte Wahnsinn».
Amir Reza Koohestani und Mahin Sadri entführen das Publikum in der Außenstelle Gaußstraße des Hamburger Thalia Theaters ebenfalls auf die Hinterbühne, nur eine Komödie zeigen sie nicht. In «Dantons Tod Reloaded» geht es um eine multiethnische Tourneetheatergruppe, die in Paris Georg Büchners Revolutions -drama «Dantons Tod» zeigen möchte, allein: Ob die Aufführungen stattfinden, ist unklar. Ein Streik im öffentlichen Dienst betrifft die Bühnenarbeiter:innen (nicht aber die Künstler:innen), und wann der beendet ist, hängt von den Tarifverhandlungen ab. Außerdem hängt das Damoklesschwert von Etatkürzungen über der Gruppe, man munkelt, ...
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Theater heute November 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Falk Schreiber
Vor kurzem durfte ich an einigen Proben und Filmaufnahmen von Peter Weiss’ «Die Ermittlung» in der Regie von RP Kahl teilhaben. Auf der Basis des Theaterstücks entsteht gerade ein Kinofilm, der in einem Bühnensetting geprobt und gedreht wurde, nicht aber auf Mitschnitten einer Aufführung mit öffentlichem Publikum beruht. Jedes der elf Oratorien, die den Text...
Kindsmörderin! Babykillerin! Professorin macht Abtreibungstourismus auf Staatskosten!» Es läuft nicht gut für Professorin Faust. Die renommierte Komparatistin und Genderforscherin, kühl zurückhaltend gespielt von Bettina Engelhardt, ist ins Social-Media-Kreuzfeuer rechter Kräfte geraten. Diese sitzen aber in der «Faust»-Überschreibung von Fatma Aydemir leider nicht...
Der Krieg findet ganz in der Nähe statt», erklärt Gintaras Grajauskas, der Künstlerische Direktor des Dramatheaters in der Hafenstadt Klaipeda. «Die baltischen Länder, die von der Sowjetunion besetzt waren, sind sich des aggressiven russischen Imperialismus sehr wohl bewusst und wissen, dass der Krieg jederzeit auf ganz Europa übergreifen kann.» Dieser fragilen...
