Ausgrenzungsgeschichten
Wer an Irland denkt, kann rasch ins Träumen geraten. Satte, grüne Landschaften entstehen vor dem inneren Auge – und derzeit auch auf der Bühne des Mainzer Staatstheaters, wo tatsächlich eine liebliche Wiese vor zwei gemauerten Rundbögen und einer alten Kutsche liegt. Selbstverständlich mit Efeu. Es ist die verschnörkelte Kulisse für eine verblüffende, so noch nie auf deutschen Bühnen erzählte Begebenheit: Im 18. Jahrhundert wanderten zahlreiche Pfälzerinnen und Pfälzer auf Einladung irischer Landlords auf die Insel aus.
Man darf von einer klassischen Win-win-Situation sprechen. Die Großgrundbesitzer konnten dadurch den Protestantismus stärker verankern, die deutschen Auswanderer Krieg und Elend auf dem Kontinent entfliehen.
Zu Letzteren zählt Hannah (Hannah von Peinen), die Hauptfigur in Deirdre Kinahans «Refuge», uraufgeführt von Jim Culleton. Sie führte ein gutes Leben, bis sie sich in einen Einheimischen (Aidan Kelly) verliebt, der der Gruppe der von der Regierung enteigneten «Houghers» angehört. So gerät die Protagonistin rasch zwischen die Fronten. Dort die geschätzten Deutschen, die sogar Milizen gegen die Gesetzlosen gründen, da die unliebsamen Rebellen.
Dass der Konflikt ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Björn Hayer
Gerade mal 17 schmale Kilometer lang ist die Insel vor Rügen, auf der sich seit 100 Jahren Intellektuelle, Künstler, Schauspieler treffen, um Freiheit zu leben, «klein genug, um zu schauen, wie sich Persönliches und Geschichte ineinander schiebt». Annekatrin Hendel, die große dokumentarische Chronistin des intellektuellen Lebens in der DDR, u.a. mit ihrer...
Warum sollten wir noch einmal im Müll der Vergangenheit wühlen?! Was hat die Majestät eines verlorenen kleinen Königreichs Euch noch zu erzählen?», fragt die Schauspielerin Varja Dukic beim Prolog das Publikum. Der gesamte Cast der Inszenierung hat sich an der Rampe versammelt. «Sollen wir uns eingestehen, dass die Geschichte uns nichts gelehrt hat?»
Im Februar...
Man hört, bevor man sieht, schnelle Schritte, keuchenden Atem, Hundegebell und ein Platschen wie von einem Sprung ins Wasser. Auf einen Gazevorhang projiziert, schwappen nächtliche Wellen, dann ist da plötzlich ein Gesicht, Angst in aufgerissenen Augen: ein Mensch auf der Flucht, der gerettet wird – und sich am Ende resigniert die Kugel geben wird.
Maria Lazars...
