Paradies Psychiatrie
Dieser Monolog hat ja eine eigenartige soghafte Qualität. Ein Rausch der Brutalität, gehetzt, sprachlich verdichtet und zur mystischen Selbstauflösung überhöht. «Juli» von Iwan Wyrypajew (1974 in Ostsibirien geboren) spielt in naher Zukunft, im Jahr 2013 in der Irrenanstalt von Smolensk. Und es spielt in unseren Tagen; denn der dannzumal 63-jährige Ich-Erzähler mit Namen Peter blickt sechs Jahre zurück auf den Sommer seines Missvergnügens, der muss 2007 gewesen sein, im Stück wird dies alles sehr präzis und als kleine Kopfrechenaufgabe fürs Publikum aufgedröselt.
Es geht also in die unmittelbare russische Gegenwart, und das macht wohl einiges vom Reiz des Textes aus. Ist dies das neue Russland? Diese Orgie der moralfreien Gewalt? Dieser abgebrühte Zynismus? Wyrypajew bedient die verfügbaren Klischees mit Lust, und das von der russischen Gottvatersehnsucht obendrein.
«Verflucht seiest du, elender Juli, in alle Ewigkeit verflucht, Monat Juli!» Da hat Peters Höllenfahrt begonnen. Im Juli ist sein Haus abgebrannt und damit seine Normalität. Zunächst versucht er noch, sich in ein anderes Leben einzunisten: Weil der Nachbar ihn nicht aufnehmen will, sticht er ihn kurzerhand nieder und ...
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Zeit: 27. Oktober 2008, der Montag nach der Premiere
Ort: Die Feuilleton-Titelseiten
Stimmen:
MODERATOR
Matthias HEINE («Endlich mal wieder Strumpfhosen», Die Welt)
Ralf-Carl LANGHALS («Wunder gibt es immer wieder», Mannheimer Morgen)
Peter MICHALZIK («Best of Germany», Frankfurter Rundschau)
Roland MÜLLER («Demut, dein Name ist Schmidt», Stuttgarter Zeitung)
Christopher...
Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren...
Peter Zadek, 82, hat Hörprobleme, wie er im Gespräch mit Ascan Gossler von der Hörgeräte-Firma «oticon» darlegt: «Für Menschen mit Hörminderungen verwandelt sich ein Theaterraum leicht in eine große Arena, in der die akustische Orientierung eine Herausforderung darstellt. Ich hatte das Gefühl, mich immer stärker anstrengen zu müssen, um der Kommunikation folgen zu...
