Dea Loher: «Unschuld»

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Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die diese Prozesse bebildern, so viel sie wollen. Egal, ob es zum definitiven Weltwirtschaftsgau kommt oder nicht – die Gewinner und die Verlierer dieses Spiels stehen lange fest.

Die Schere zwischen Arm und Reich wird weiter aufgehen, die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Reality- und Soap-Kultur feiern beide gleichermaßen und zementieren ein Bild, das verboten gehört.

Das Theater hat, seit es den Kapitalismus gibt, seine Kritiker: Ibsen, der akribisch die Defekte der verkrampften Aufsteiger, der verlogenen Kapitalvermehrer, der Stützen der Gesellschaft beschreibt, deren einziges Thema Geld und Rang ist und die er das Fürchten und das Scheitern lehrt. Horváth, dessen Arbeitslose als Opfer der Verhältnisse keinesfalls sympathisch agieren. Und schließlich Brecht, der Meister allen politischen Theaters ... Ihre Entwürfe ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 18
von Sonja Anders

Vergriffen
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