Dea Loher: «Unschuld»
Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die diese Prozesse bebildern, so viel sie wollen. Egal, ob es zum definitiven Weltwirtschaftsgau kommt oder nicht – die Gewinner und die Verlierer dieses Spiels stehen lange fest.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird weiter aufgehen, die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Reality- und Soap-Kultur feiern beide gleichermaßen und zementieren ein Bild, das verboten gehört.
Das Theater hat, seit es den Kapitalismus gibt, seine Kritiker: Ibsen, der akribisch die Defekte der verkrampften Aufsteiger, der verlogenen Kapitalvermehrer, der Stützen der Gesellschaft beschreibt, deren einziges Thema Geld und Rang ist und die er das Fürchten und das Scheitern lehrt. Horváth, dessen Arbeitslose als Opfer der Verhältnisse keinesfalls sympathisch agieren. Und schließlich Brecht, der Meister allen politischen Theaters ... Ihre Entwürfe ...
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Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins...
Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und...
Siebzig Minuten dauert die Aufführung: Die sieben Szenen Arthur Schnitzlers, die 1889/90 entstanden und in denen der Wiener Bourgeois und Lebemann Anatol jeweils eine andere Frau begehrt, verabschiedet, verliert, hat der Regisseur Luk Perceval zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Er hat die Dialoge radikal zusammengekürzt und dabei alles spezifisch...
