Dea Loher: «Unschuld»
Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die diese Prozesse bebildern, so viel sie wollen. Egal, ob es zum definitiven Weltwirtschaftsgau kommt oder nicht – die Gewinner und die Verlierer dieses Spiels stehen lange fest.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird weiter aufgehen, die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Reality- und Soap-Kultur feiern beide gleichermaßen und zementieren ein Bild, das verboten gehört.
Das Theater hat, seit es den Kapitalismus gibt, seine Kritiker: Ibsen, der akribisch die Defekte der verkrampften Aufsteiger, der verlogenen Kapitalvermehrer, der Stützen der Gesellschaft beschreibt, deren einziges Thema Geld und Rang ist und die er das Fürchten und das Scheitern lehrt. Horváth, dessen Arbeitslose als Opfer der Verhältnisse keinesfalls sympathisch agieren. Und schließlich Brecht, der Meister allen politischen Theaters ... Ihre Entwürfe ...
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Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei...
Großen romantischen Überschwang wird man Lutz und Karla nicht vorwerfen können. Außerdem reden sie nicht gerne über ihr Privatleben, weshalb man auch nie den Grund erfahren wird, warum Lutz keinen Führerschein mehr hat und auf einer Geschäftsreise in einem überfüllten ICE buchstäblich über Karla gestolpert ist. Die Diskretion geht so weit, dass es in Ulrike Syhas...
Er kann eigentlich ganz anders sein, und es scheint, als käme er auch gar nicht mehr so selten dazu. Gewiss, «die Angst des Schauspielers vor der Bühne», wie Michael Wittenborn sagt, ist weiterhin da. «Wenn ich nicht die Freiheit hätte, wegzulaufen, dann würde ich da nicht rausgehen.» Nichts größer als sein Wunsch, die abendliche Vorstellung möge, durch welche...
