Dea Loher: «Unschuld»
Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die diese Prozesse bebildern, so viel sie wollen. Egal, ob es zum definitiven Weltwirtschaftsgau kommt oder nicht – die Gewinner und die Verlierer dieses Spiels stehen lange fest.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird weiter aufgehen, die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Reality- und Soap-Kultur feiern beide gleichermaßen und zementieren ein Bild, das verboten gehört.
Das Theater hat, seit es den Kapitalismus gibt, seine Kritiker: Ibsen, der akribisch die Defekte der verkrampften Aufsteiger, der verlogenen Kapitalvermehrer, der Stützen der Gesellschaft beschreibt, deren einziges Thema Geld und Rang ist und die er das Fürchten und das Scheitern lehrt. Horváth, dessen Arbeitslose als Opfer der Verhältnisse keinesfalls sympathisch agieren. Und schließlich Brecht, der Meister allen politischen Theaters ... Ihre Entwürfe ...
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Zuallererst muss man eine Vermisstenanzeige aufgeben. Wo ist eigentlich Guido Westerwelle? Seit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte hat er sich gemeinsam mit allen anderen Deregulierungsfachleuten zurückgezogen und liest in einem Managerseminar, möglicherweise von Rimini Protokoll angeleitet, erstmals «Das Kapital» – nun gut. Und schwitzt sich den Liberalismus aus...
Krisenzeiten sind Zeiten der Techniker. Mit rasanter Geschwindigkeit und dem Einsatz von anderthalb Bundeshaushalten wurde im schwarzen Herbst 2008 die Geldturbine wieder angeworfen. Noch nie haben sich die Regierenden in Europa und Amerika in so kurzer Zeit einigen und rasch entscheiden können und dabei so große Geldsummen in die Hand genommen. Weder die...
Andreas Beck eröffnet seine zweite Spielzeit als Intendant des Wiener Schauspielhauses mit zwei Stücken, in denen Autoren aus der Generation Golf Menschen aus der Generation Golfclub beschreiben. Inhaltlich sind sich die Texte von Anja Hilling (geb. 1975) und Volker Schmidt (geb. 1976) nahe; in beiden Stücken werden (Beziehungs-)Probleme unter Besserverdienern von...
