Liebe TINA, es geht dir gut!
Früher war es einfach selbstverständlich, gegen den Kapitalismus zu sein. Was müssen das für Menschen sein, die allen Ernstes Spaß daran haben, Geld zu machen, dachte man. Das war so absurd, wie den FC Bayern München zu unterstützen. Ich erinnere mich noch, es war Ende der 90er, als ich mit ein paar Freunden in einem Berliner Café saß und eine Ausgabe der Zeitschrift «Brand eins» durch das Etablissement flatterte. «Schau einer an», sagte einer: «Nun ist es so weit: Das ist die erste Hipster-Zeitschrift, die dezidiert pro-kapitalistisch ist.» Und so war es.
Ein paar Jahre später war die «Jungle World» die einzige Hipster-Zeitung, die noch dezidiert anti-kapitalistisch war. Und auch die hatte langsam andere Präferenzen.
Man war zwar nicht gerade einsam als Anti-Kapitalist, aber die Reihen lichteten sich doch beständig während der TINA-Jahre. Die TINA-Formel – There Is No Alternative –, meistens Maggie Thatcher zugeschrieben, wurde ab circa 1991 zum offiziellen Mantra der Posthistoire, die angeblich mit dem Ende der Systemkonkurrenz begonnen hatte. Meistens wurde dieses TINA-Gefühl der Posthistoire als halb panisches, halb begeistertes Paradox vorgetragen: Jetzt ist alles möglich, denn ...
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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 6
von Diedrich Diederichsen
Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?
Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.
Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?
Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...
Eine Stellenanzeige in der «Zeit» war der erste Schritt in die Öffentlichkeit: Köln soll eine neue unabhängige monatliche Zeitung für Darstellende Künste erhalten, dafür wurde, überregional wohlgemerkt, ein hochmotivierter Chefredakteur gesucht.
Kulturpolitisch bemerkenswert: Die Initiatoren der neuen Theaterzeitung sind die Kölner Theater selbst, durch ihre...
Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei...
