Grenzen überschreiten
Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei Projekte gleichzeitig, entschuldigt sie sich, eine Oper und Franz Xaver Kroetz’ «Wunschkonzert», ihre erste Produktion auf deutschem Boden, am Schauspiel Köln.
Katie Mitchell ist Associate Director am National Theatre. Zu höheren Weihen kann man im englischen Theater kaum aufsteigen. Ihre Vorbilder, sagt Mitchell, seien allerdings samt und sonders kontinentaleuropäisch. Tatsächlich sind ihre Arbeiten gewöhnlich dezidierter konzeptioniert und bilderstärker inszeniert als die meisten ihrer Kollegen im britischen Mainstream. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Mitchell über Ambitionen im Bereich Bildende Kunst zum Theater kam. Mit 16 hielt sie ihre Aussichten, Damien Hirst Paroli zu bieten, für trübe und fing stattdessen an, mit Menschen auf der Bühne Bilder zu entwickeln. Sie war schon in Manchester für Theater ...
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