Der Apparat sendet weiter
1923 in Berlin, auf dem Dach der Schallplattenfirma Vox in der Potsdamer Straße, wird der erste Sender für den Unterhaltungsrundfunk eingerichtet. Was das neue Medium beinhalten soll, ist noch ebenso offen wie die Frage, wer es beherrschen wird. Aber wohl nicht ganz zufällig geht es buchstäblich auf den Schultern des akustischen Massenmediums los, das den Rundfunk zunächst als Konkurrenz erlebt. Und auch der Zeitpunkt ist ein besonderer: Hyperinflation begünstigt die Radikalisierung rechter und linker Gruppierungen, während in den Varietés wie wild getanzt wird.
Der expressionistische Dramatiker Arnolt Bronnen, der kurz zuvor mit seinem «Vatermord» einen Skandalerfolg auf die Bühne gebracht hat, gehört praktisch zu den Programmmachern der ersten Jahre. Er entwickelt Hörspielbearbeitungen von Klassikern, wie einen neunzigminütigen «Wallenstein», den der Regisseur dann mit Schauspielern vom Gendarmenmarkt in ihren Bühnenkostümen vor den Mikros aufführen lässt, mit halben Kokosnüssen für den Pferdegalopp. Doch Bronnen nimmt auch wahr, wie der Rundfunk zur politischen Einflussnahme begehrt ist, als marktförmige Berieselung interessiert oder eben als «Kultur-Träger konfirmiert» werden ...
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Etwas Unerhörtes hat sich ereignet. Es scheint um den Tod zu gehen und um einen Kadaver und dessen gewaltsame Beseitigung. Erst allmählich können sich die Hörer ein Bild von der Situation machen. Aus unkommentierten O-Tönen im Stil einer Straßenumfrage kristallisiert sich langsam heraus, wovon eigentlich die Rede ist. «Bastia-Ruckzuck-Krawumm» hieß das Hörspiel,...
Sechs Jahre ist es her, dass im Dezember 2000 der damals noch weitgehend unbekannte Michael Thalheimer am Hamburger Thalia Theater den denkwürdigen Anfang einer kleinen «Liliom»-Renaissance des 21. Jahrhunderts machte: Auf minutenlange Bewegungslosigkeit des hemdsärmeligen Protagonisten, die schließlich in einem seltsamen Schütteln der Arme, unwillkürlicher...
So war die Story irgendwann vielleicht im Morgenblatt zu lesen: Junger Mann aus Stuttgart verunglückt mit dem Motorrad in Buenos Aires; und die junge Frau, vor deren Tür es geschah, bringt ihn nach Hause. Der Schweizer Autor Andreas Liebmann nutzt den Augenblick künstlerisch weit darüber hinaus – vom Lebenseinschnitt aus montiert er poetische Szenen der Erinnerung....
