Alltag der Emporkömmlinge
Alles Walzer!» Am Ende des zweiten Aktes fassen sich in Stefan Ottenis Nürnberger Inszenierung von Arthur Schnitzlers Gesellschaftskomödie «Professor Bernhardi» die Herren (mangels Damen) um die Hüften und drehen sich linkisch-gespenstisch im Dreivierteltakt. Da ist die Donau schon lange grau und der Himmel über Wien hängt voll düsterer Gewitterwolken.
Die liberale Stimmung ist vergiftet, und der groteske Reigen der Medizinal-Honoratioren wirkt wie der Tanz am Rand des Nervenzusammenbruchs eines Zeitalters: «Alles Lüge!»
Aber den fünften Akt lässt Otteni dann scheinbar ganz entspannt auf dem Tennisplatz spielen: Hier finden sich die Herren wieder zusammen, die Elite des Jahrhundertwechsels bespricht, verhandelt und regelt die schmutzigen Ereignisse, die gerade noch an den moralischen und politischen Grundfesten gerüttelt hatten, en passant mit und zwischen zwei Sätzen – und bereitet doch schon den Aufschlag zu einer wirklich mörderischen Revanche vor. Diese (Männer-)Gesellschaft aber kann zunächst und so schnell nichts erschüttern, und das bisschen Antisemitismus, das man nun mal drin hat im mehr oder weniger blauen Blut, klingt mit einem Schlag Wiener Schmäh gleich ganz anders. ...
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