Opa erzählt vom Krieg
Man könnte es sich leicht machen. Man könnte konstatieren, dass die Berliner Volksbühne mit Frank Raddatz' «Republik Castorf» im Zustand fortgeschrittener Sentimentalisierung angekommen sei. Und, ja, natürlich ist das sentimental: ein Interviewband, bestehend aus 18 selten analytischen, oft plaudernden, immer affirmativen Gesprächen mit einst und heute wichtigen Protagonisten des Rosa-Luxemburg-Platzes.
Zumal der Erkenntnisgewinn mancher Interviews gegen Null geht.
Bert Neumann war für die Volksbühne weit mehr als ein Ausstattungsleiter, er war der Erfinder einer Ästhetik, unter der sich Castorfs Theater als unversöhnliches Widerstandsnest überhaupt erst sammeln konnte – das ist spätestens seit Neumanns überraschendem Tod im Juli 2015 Allgemeingut. Frank Castorf ist kein Stückezertrümmerer, sondern jemand, der Texte sehr genau liest, um sie dann zu dekonstruieren – das wird niemand bezweifeln, der auch nur eine Castorf-Inszenierung gesehen hat.
Wenn Chris Dercon 2017 als Nachfolger Castorfs die Volksbühnen-Intendanz übernimmt, befürchten praktisch alle Interviewpartner, dass die Widerstandshaltung des Hauses ersatzlos einer geschichtsvergessenen ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 58
von
Erinnert sich noch jemand an Werner Schwab? Den Grazer Radikaldramatiker Anfang der Neunziger, der wie Phönix aus der steirischen Asche stieg, in drei Jahren anderthalb Dutzend Stücke schrieb und sich in der Silvesternacht 1994 35-jährig zu Tode trank? Gelegentlich stehen noch seine «Präsidentinnen» auf einem Spielplan als unkaputtbare Klokomödie mit drei...
Eine Halfpipe füllt die Bühne des Kleinen Hauses in Dresden. Ein Rangelplatz (von Markus Pötter) zwischen zwei Polen, links die Montagues, rechts die Capulets, in der Mitte, vielleicht: ein Common Place. Die Montagues heißen Rouni, Ibrahim, Ahmad und Ali, lauter Jungs mit dunklen Haaren und breitbeinigem Gang. Auf der anderen Seite der Senke stehen Tabea,...
Mein amerikanischer Kollege, der Dramatiker Eugene O’Neill, hat unser Land das schönste gescheiterte Experiment in der Menschheitsgeschichte genannt. Das war in den 30er Jahren. Aber jetzt gibt es nichts Schönes mehr bei uns, jetzt sind wir komplett im Eimer.
Wir haben nicht lange gebraucht, um dorthin zu gelangen. Keine 250 Jahre. So alt ist bei euch manches...
