Opa erzählt vom Krieg
Man könnte es sich leicht machen. Man könnte konstatieren, dass die Berliner Volksbühne mit Frank Raddatz' «Republik Castorf» im Zustand fortgeschrittener Sentimentalisierung angekommen sei. Und, ja, natürlich ist das sentimental: ein Interviewband, bestehend aus 18 selten analytischen, oft plaudernden, immer affirmativen Gesprächen mit einst und heute wichtigen Protagonisten des Rosa-Luxemburg-Platzes.
Zumal der Erkenntnisgewinn mancher Interviews gegen Null geht.
Bert Neumann war für die Volksbühne weit mehr als ein Ausstattungsleiter, er war der Erfinder einer Ästhetik, unter der sich Castorfs Theater als unversöhnliches Widerstandsnest überhaupt erst sammeln konnte – das ist spätestens seit Neumanns überraschendem Tod im Juli 2015 Allgemeingut. Frank Castorf ist kein Stückezertrümmerer, sondern jemand, der Texte sehr genau liest, um sie dann zu dekonstruieren – das wird niemand bezweifeln, der auch nur eine Castorf-Inszenierung gesehen hat.
Wenn Chris Dercon 2017 als Nachfolger Castorfs die Volksbühnen-Intendanz übernimmt, befürchten praktisch alle Interviewpartner, dass die Widerstandshaltung des Hauses ersatzlos einer geschichtsvergessenen ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 58
von
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...
Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Besessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn...
