Die Schönheit der Kritik
Jede Bühnenästhetik ist ein Statement, sie sagt etwas über die Welt. In den Augen des Duos Pinter/Kruse war sie noch nie ein schöner Ort, sie war düster, bedrohlich, abgründig und paranoid. Wenn bei Pinter das Reale ins Surreale kippte, wurde es ungemütlich. Entgegenzusetzen war dem allenfalls das Rockige, dezidiert Ungebundene. Finster blieb es.
Das kleine Duo aus zwei Pinter-Einaktern, das Kruse nun in Frankfurts Kammerspiel inszeniert hat, ist dazu ein kleines Nachspiel.
«One for the road» (früher: «Noch einen letzten») ist das Stück, mit dem Pinter 1984 erstmals offen politisch und – von heute aus gesehen – durchaus prophetisch wurde. In einem Verhör werden Entwürdigung und Vernichtung bis zur Neige ausgelotet. Pinter zeichnet und zelebriert die Lust an der Zerstörung. Ein Nachtrag nur zu seinen größeren Stücken, aber eben doch ein ganzes Weltbild, zumal wenn es im Inneren einer mit Globen ausgeschmückten und von einem Scheinwerfer erhellten düsteren Weltkugel stattfindet, wie in Frankfurts Kammerspiel.
Oliver Kraushaar als Folterer Nicolas benutzt Pinters Wortspiele, um die Bedrohung zu steigern, verdreht die Sätze Meister-Joda-mäßig und verstärkt die Worte mit seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Peter Michalzik
Als die Blendscheinwerfer verlöschen und der Nebel sich lichtet, schaut das Publikum ins Paradies. Der Schöpfer ist wohl eben ausgetreten, die Schaukel schwingt noch, aber leer. Auf den zweiten Blick erkennt man, wie künstlich das Paradies beschaffen ist. Schilf sprießt am Pool, rechts duckt sich eine Palme, Farn wedelt, Blumen recken die Köpfe nach ihrem...
Der Keim der wahren Freiheit gedeiht in Unfreiheit», lautet eine von Alexander «Kruso» Krusewitschs dialektischen Überzeugungen. Ja, es muss im Spitzelstaat DDR aufregend anarchische Spielräume gegeben haben, kaum nachvollziehbar aus heutiger Perspektive und schon gar für einstige Kinder der BRD allenfalls diffus erahnbar. Immer noch und immer wieder werden diese...
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hinterlässt eine Spur des Entsetzens unter amerikanischen Künstlern und Intellektuellen – eine Reportage.
Ruth Reinecke spielt seit 1979 am Berliner Maxim Gorki Theater. Sie war in Volker Brauns legendärer «Übergangsgesellschaft» dabei, hat ein halbes Dutzend Intendanten er- und überlebt – und viel zu erzählen: ein...
