«Es ist eine gefährliche Grenzüberschreitung»
Andreas Wilink: Jenseits der Denkmalschutz-Positionen und städtebaulichen Fakten: Wie empfanden Sie die Attacke auf den ohnehin labilen Status quo des Düsseldorfer Schauspielhauses, des Gebäudes und der Institution selbst?
Wilfried Schulz: Ich empfinde es als extrem unglückliche Diskussion, die durch Oberbürgermeister Thomas Geisel vom Zaun gebrochen wurde. Ich kenne kein Vorbild dafür. Es ist ein Präzedenzfall.
Und das in einem Moment, wo wir das Gefühl haben, gut in der Stadt angekommen zu sein – und die Stadt es uns wiederum bestätigt, auch durch ausverkaufte Aufführungen. Wo wir uns freischwimmen aus der krisenhaften Situation, nach dem langen Interim und mit der problematischen Lage durch das unbespielbare Haus auf dem Gustaf-Gründgens-Platz. Just in dem Moment also wird die Existenz als Ganzes in Frage gestellt, indem Geisel fragt: Muss das Düsseldorfer Schauspielhaus im Düsseldorfer Schauspielhaus stattfinden? Oder geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Das hätte dann nichts mehr mit einem Stadttheater, wie wir es verabredet haben und wie es der Stadt Düsseldorf zukommt, zu tun. Das ist höchst ignorant unserer Arbeit gegenüber, der Arbeit von 300 Personen. Ich war bislang ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Start, Seite 37
von Andreas Wilink
Der Wunsch nach theatergeschichtlichem Überblick stößt unweigerlich auf Manfred Braunecks lexikalisches Werk. 2010 wurde ihm für seine Forschungen zur «Geschichte des Theaters in all seinen Ausdrucksformen» der Balzan-Preis von gleichnamiger Stiftung verliehen, dessen Preisgeld zur Hälfte – und unter administrativer Obhut des ITI Deutschland – in ein...
Wie auf einer riesigen Welle tänzelnd, nähert sich dem Publikum ein schmächtiger, verschlagene Präsenz ausstrahlender Anzugträger. Sein siegesgewisses Lachen überträgt ein zweiköpfiges Kamerateam kinogroß auf den über der Bühne prangenden Bildschirm. Im Nu erklimmt er die Sitzreihen, stellt den in ängstlicher Faszination verharrenden Zuschauern übergriffige Fragen...
München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht...
