«Es ist eine gefährliche Grenzüberschreitung»

Wilfried Schulz über die Interventionen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel zur Zukunft des Schauspielhauses

Theater heute - Logo

Andreas Wilink: Jenseits der Denkmalschutz-Positionen und städtebaulichen Fakten: Wie empfanden Sie die Attacke auf den ohnehin labilen Status quo des Düsseldorfer Schauspielhauses, des Gebäudes und der Institu­tion selbst?
Wilfried Schulz: Ich empfinde es als extrem unglückliche Diskussion, die durch Oberbürgermeister Thomas Geisel vom Zaun gebrochen wurde. Ich kenne kein Vorbild dafür. Es ist ein Präzedenzfall.

Und das in einem Moment, wo wir das Gefühl haben, gut in der Stadt angekommen zu sein – und die Stadt es uns wiederum bestätigt, auch durch ausverkaufte Aufführungen. Wo wir uns freischwimmen aus der krisenhaften Situation, nach dem langen Interim und mit der problematischen Lage durch das unbespielbare Haus auf dem Gustaf-Gründgens-Platz. Just in dem Moment also wird die Existenz als Ganzes in Frage gestellt, indem Geisel fragt: Muss das Düsseldorfer Schauspielhaus im Düsseldorfer Schauspielhaus stattfinden? Oder geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Das hätte dann nichts mehr mit einem Stadttheater, wie wir es verabredet haben und wie es der Stadt Düsseldorf zukommt, zu tun. Das ist höchst ignorant unserer Arbeit gegenüber, der Arbeit von 300 Personen. Ich war bislang ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Start, Seite 37
von Andreas Wilink

Weitere Beiträge
Goldschmied der Ironie

Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurz­gekommene ergreifen, die das...

Wien: Leistungsschau der Komiker

Auf die Bühne des Wiener Burgtheaters hat es die «Pension Schöller» in ihrer 126-jährigen Geschichte noch nie geschafft. Dafür gibt es in der Stadt Orte, die dafür besser geeignet scheinen, die Kammerspiele der Josefstadt zum Beispiel oder andere, dem Kitzel des Zwerchfells vorbehaltene Etablissements. Für die Kammerspiele entstand denn auch die berühmte...

Bonn: Kunstkampflust

Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Be­sessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn...