Nutzlos gießt der Mond sein Licht
Dieser Kostja kann einstecken. Der Nachwuchskünstler zuckt mit keiner Wimper, wenn seine Mutter, die berühmte Schauspielerin Arkadina, aller Welt vorführt, was für ein Baby er doch ist. Maja Beckmann baut sich gegenüber dem einen Kopf größeren Benjamin Lillie auf, packt sein Kinn, schiebt seine Wangen zu sich herunter, so dass sie die Lippen zum pausbäckigen Kussmund schürzen. Als nächstes greift sie ihm unter den Pulli, rupft das T-Shirt aus dem Hosenbund, fasst ihm anzüglich fast in den Schritt – hoho! – und legt seinen Bauch frei.
Sie geht vor ihm in die Knie, wirft einen genießerisch-verschlagenen Rundblick ins Publikum. Dann holt sie tief Luft, furzt und prustet ihrem Kostja auf den behaarten Bauch, so wie es Mütter mit frisch gewickelten Säuglingen machen.
Christopher Rüping stellt die Hassliebe von Mutter und Sohn in den Mittelpunkt seiner vorläufig letzten Inszenierung am Schauspielhaus. Diese Beziehung hat schon bei Tschechow einen doppelten Boden: als Machtkampf, den die beiden über die Bande unterschiedlicher Kunstauffassungen austragen. Während der hartgesottene Unterhaltungsprofi Arkadina jede Alltagssituation in eine Ego-Show verwandelt, will Kostja ernsthaft das ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
«Kennt ihr diesen Strand in Australien, Bondi Beach?», will Dennis von seinen Freunden wissen. Und zieht, da die kollektive Kenntnislage sich schütter gestaltet, gleich selbst nach mit der Hymne auf den «speziellen Lifestyle» der dort siedelnden Aussteigerinnen und Aussteiger: montags bis freitags strenge Askese, also «Yoga», «keine Kohlenhydrate», «Achtsamkeit und...
HALBERSTADT, GLEIMHAUS
ab 25.2., Alexander Kluge – Enlightenment (=Aufklärung). Eine Ausstellung für meine Heimatstadt
Die Ausstellung von Alexander Kluge, 1932 in Halberstadt geboren, geht künstlerisch u.a. der Frage nach, was Aufklärung im 21. Jahrhundert bedeuten kann; im Zentrum dabei die Wurzeln im «Gemüt» von Menschen. Die Sonderausstellung steht in...
Dass Brecht sich 1947/48 in Zürich für die junge Schauspielerin Regine Lutz interessierte, die ihm als seltsam verhuschte Erscheinung in Gorkis «Wassa Schelesnowa» aufgefallen war, verblüffte die Kollegen am Schauspielhaus. Die aus Basel stammende Elevin hätte viel lieber die lasterhaftere der beiden Töchter Wassas gespielt und hatte deshalb in die vom Regisseur...
