Nutzlos gießt der Mond sein Licht
Dieser Kostja kann einstecken. Der Nachwuchskünstler zuckt mit keiner Wimper, wenn seine Mutter, die berühmte Schauspielerin Arkadina, aller Welt vorführt, was für ein Baby er doch ist. Maja Beckmann baut sich gegenüber dem einen Kopf größeren Benjamin Lillie auf, packt sein Kinn, schiebt seine Wangen zu sich herunter, so dass sie die Lippen zum pausbäckigen Kussmund schürzen. Als nächstes greift sie ihm unter den Pulli, rupft das T-Shirt aus dem Hosenbund, fasst ihm anzüglich fast in den Schritt – hoho! – und legt seinen Bauch frei.
Sie geht vor ihm in die Knie, wirft einen genießerisch-verschlagenen Rundblick ins Publikum. Dann holt sie tief Luft, furzt und prustet ihrem Kostja auf den behaarten Bauch, so wie es Mütter mit frisch gewickelten Säuglingen machen.
Christopher Rüping stellt die Hassliebe von Mutter und Sohn in den Mittelpunkt seiner vorläufig letzten Inszenierung am Schauspielhaus. Diese Beziehung hat schon bei Tschechow einen doppelten Boden: als Machtkampf, den die beiden über die Bande unterschiedlicher Kunstauffassungen austragen. Während der hartgesottene Unterhaltungsprofi Arkadina jede Alltagssituation in eine Ego-Show verwandelt, will Kostja ernsthaft das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
«Kennt ihr diesen Strand in Australien, Bondi Beach?», will Dennis von seinen Freunden wissen. Und zieht, da die kollektive Kenntnislage sich schütter gestaltet, gleich selbst nach mit der Hymne auf den «speziellen Lifestyle» der dort siedelnden Aussteigerinnen und Aussteiger: montags bis freitags strenge Askese, also «Yoga», «keine Kohlenhydrate», «Achtsamkeit und...
Die Ungleichheit in Deutschland wächst, der Gini-Koeffizient für die Vermögenskluft ist auf hohe 0,81 angestiegen. Aber sozialer Widerstand will sich nicht regen. Zu tief ist die meritokratische Ideologie und die wie auch immer illusorische Aufstiegserwartung in alle Bevölkerungsschichten eingesickert.
Insofern ist es verdienstvoll, dass sich zwei Berliner Bühnen...
Ein Ende. Das war es, was sich Frankfurt am Main an diesem Tag, dem 14. Dezember 2023, wünschte. Oder zumindest wünschten sich das seine Stadtverordneten, seine größte Zeitung und sein Oberbürgermeister Mike Josef. «Ich fände es gut, wenn wir in dieser Stadt auch mal etwas zu Ende bringen würden», hatte der in einer Debatte gesagt, die eine Woche vorher im...
