Die Abwesenheit des Schreckens
Da ist diese eine Szene, in der Sandra Hüller lacht. Sie liegt im Bett, das einen Meter entfernt ist von ihrem Mann, eine unüberbrückbare Distanz in dieser ziemlich toten Ehe. Ihr Mann (Christian Friedel) ist Rudolf Höß, der das Konzentrationslager Auschwitz aufgebaut hat und die planmäßige Vernichtung von Juden perfekt bürokratisch verwaltet. Wenn er in diesem Film spricht, dann meistens in sein Telefon, wo er in präzisem Bürokratensprech Anweisungen zum Töten diktiert.
Seinem Pferd flüstert er «Ich liebe dich» zu, seiner Tochter liest er mit liebevoller Einschlafstimme «Hänsel und Gretel» vor, wie die Hexe im Ofen verbrennt.
In den Öfen hinter der Mauer um seine heile Welt verbrennen täglich 10.000 Menschen. Darüber wird nicht gesprochen. Als Hedwig, die Mutter seiner fünf Kinder, Sandra Hüller mit stramm geflochtenen blonden Zöpfen, die unauflösbar auf ihrem Kopf festgetackert sind, diesen einen Versuch wagt, mit ihm ins Gespräch zu kommen, «grunzgrunz» kichert, kommt das große Zuschauererschrecken: Hat frau tatsächlich einen Moment Hoffnung gefasst, in diese kalte Ehe könnte ein Hauch Wärme geraten – und alles wäre gut? Ist frau zu Hedwig Höß geworden, von Sandra Hüller mit ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Barbara Burckhardt
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