Nur die Liebe zählt
Ausgespuckt aus einem dampfenden, runden Schlund werden sie, in das Jenseits hinein, das die Bühne ist – die Zuschauer sitzen im Kreis drumherum und sind schon da im selben Boot. Als die sechs frischen Toten von der Erde hustend über den Rand des kreisrunden Höllentors kriechen, empfängt sie die lässig tanzende Bühnentechnikerin Hollis (Franziska Roth) mit Overall und Feudel. «Herzlichen Glückwunsch», klatscht sie resolut und weist zu Kaffee und Gurkensandwich in der Kantine.
Endlich aufgewacht aus der Illusion einer persönlichen Identität! Erstmal zum Klo nach der extremen Reise, bevor die Ablösung vom alten Leben stattfinden kann.
Ein interessantes Setting hat der US-amerikanische Autor Noah Haidle in «Menschliches Repertoire» entworfen, es erinnert von Weitem an Sartres «Huis Clos»: Tote, die nicht loslassen können, sich erstmal zurechtfinden müssen in ihren vom Menschsein losgelösten Charakter und alten Konflikten hinterherhängen. Im Jenseits-Backstage versammeln sie sich wie in einer Art Wellness-Selbsterfahrungs-Tempel – das zugleich ein Theater im Theater ist.
Das Auftragsstück für das Theater Oberhausen – Erfolgsautor Noah Haidle arbeitet schon zum zweiten Mal direkt für ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Dorothea Marcus
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Die gute alte Moderne hält uns immer noch auf Trab. Aber es sieht gerade nicht gut aus für sie, d.h. für uns. Klimawandel, wachsende soziale Ungleichheit, Kulturkämpfe, zunehmende Migrationsbewegungen, Rechtspopulismus, politische Polarisierungsunternehmer, liberale Demokratien unter Druck, globale Spannungen, neue Kriege in der Ukraine und in Israel – alles...
Noch sind die notorischen Welterklärer:innen uneins, ob Künstliche Intelligenz das Ende der Menschheit bedeutet, oder doch nur, dass wir die öden Jobs machen, während Algorithmen das Dichten und Denken übernehmen. Im Drama «Der Fall McNeal» von Ayad Akhtar, das am Schauspiel Düsseldorf seine deutsche Erstaufführung feiert, gelingt Letzteres erschütternd gut: so...
