«Nochmal dasselbe bitte!»

Kolumne: Schauspielerische Reproduktion ist ein Kreuz – und eine Chance

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Ich weiß nicht, wie ich das heute schaffen soll. Ich bin unendlich müde und ausgelaugt, mein Körper fühlt sich an wie ein schwerer nasser Sack, der nichts mit mir zu tun haben will. Mich belasten private Sorgen, ich kann schwer an irgendwas anderes denken. Aber ich habe heute Vorstellung. Dasselbe Stück wie vorgestern, da war es richtig gut. Der Gedanke daran, dass ich heute wieder hunderte Menschen unterhalten muss, schnürt mir die Kehle zu. Keine Ahnung, wie ich das schaffen soll. Wie ich das wiederholen soll.

Die Wiederholung gibt es nur in ihrer Differenz, meint Deleuze.

Wiederholung bringt Differenz hervor; das vermeintlich Gleiche existiert nur als nachträgliche Abstraktion. Sobald man etwas nochmal macht, macht man es anders. Zeitliche Stellung, Kontext, Aufmerksamkeit, Stimmung – nichts kann genauso wiederholt werden, die Bedingungen für eine Wiederholung sind jeden Moment anders, jeder Moment ist ein neuer und hat seine eigenen Regeln. Die Wiederholung ist ein irreführendes Konzept. Sie vermittelt den Eindruck, dass man sich etwas jederzeit einfach «wieder holen», kann, aber nichts, absolut nichts steht uns erneut zur Verfügung, jeder Augenblick ist ein anderer, fordert ...

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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Julia Riedler

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