KZ-Häftling und SS-Mitarbeiter
Selbst am Anhaltischen Theater war der Student des Bauhaus in Dessau nur Wenigen bekannt. Was wohl auch daran liegt, dass seine Designs heute eher unter dem Schlagwort «Mid-Century» verkauft werden. Denn neben dem Funkhaus Nalepastraße in Berlin ist der Designer und Architekt Franz Ehrlich vor allem mit seiner Möbelserie 602 für die Werkstätten Hellerau bekannt geworden. Zum hundertjährigen Bauhausjubiläum widmet man nun dem Bauhäusler unter dem schlichten Titel «Ehrlich» einen ganzen Abend.
Mit dem Text von «Ehrlich.
» schließt Autor Jörn Klare, der unter anderem für sein Theaterstück «Melken» zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen war, an den Topos der Systemübergänge an. Und zeigt dabei die Biografie eines Mannes, die widersprüchlicher kaum sein könnte. So widersprüchlich, dass man ihr vor drei Jahren sogar ein eigenes Buch im Suhrkamp-Verlag widmete. Denn der Designer und Architekt Franz Ehrlich war nicht nur Widerstandskämpfer und KZ-Häftling, sondern auch SS-Mitarbeiter und späterer Stasi-Informant.
Den Text für dieses Stück legt Klare psychologisch an, indem er Ehrlich und sein Gewissen als einzelne Personen ins Gespräch kommen lässt. Hinzu kommt ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Hoffmeister
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