Niemand will es kommen sehen
Das Schmelzen des Eises lehrt, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergehen kann. Lange steht Stéphane Laimés Eiswand, die trotz an ihr befestigtem Kruzifix und Erste-Hilfe-Kasten an die Glasfront eines altrussischen Wintergartens erinnert, kaum verändert auf der Zürcher Pfauenbühne. Möglich, dass das ein oder andere Eisquadrat transparenter wird oder das zentimetertiefe schwarze Tauwasser, in dem die Bewohner des Woinizkischen Landguts stehen, ein paar Millimeter tiefer – im großen Ganzen tut sich aber wenig.
Erst kurz vor dem Ende von Karin Henkels Zürcher «Onkel Wanja»-Inszenierung geht es auf einmal ganz schnell: Große Platten brechen aus den Rahmen, klatschen auf den Boden, zerbersten in Scherben. Danach ist nichts mehr wie zuvor.
Die Bewohner und Gäste auf dem Familienbesitz der Woinizkis lässt die Eisschmelze durchgehend kalt. «Ich bin jetzt siebenundvierzig. Wenn ich mit sechzig sterbe, habe ich noch dreizehn Jahre. Was soll ich denn machen in dieser Zeit?», das ist eindeutig die größere Sorge, mit der sich Siggi Schwienteks lebensüberdrüssiger Wanja ans Publikum wendet: Mit stierem Blick, hängenden Schultern, vorgeschobenem Becken, die Wodkapulle in der Hand, steht er ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Premieren im März
Aachen, Grenzlandtheater
13. Zeller, Der Vater
R. Rüdiger Pape
Aachen, Theater
30. Soleimanpour, Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen (Theaterexperiment)
R. Ensemble
31. Capote, Frühstück bei Tiffany
R. Jan Langenheim
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
9. McNally, Meisterklasse
R. Kay Kuntze (Altenburg)
2...
Es war einmal in Bamberg. Da regierte ein Intendant sage und schreibe ein Vierteljahrhundert in einem Stadttheater. Ununterbrochen. Unangefochten. Als dieser Rainer Lewandowski 2015 dann tatsächlich aufhörte, wollte niemand so recht daran glauben. Man hatte sich in dem fränkischen, kulturerblich schwer und wunderschön belasteten Städtchen mit seiner einzigartigen...
Nein, der Bühnen-Kurth, in letzter Zeit in Stuttgart etwa der weise Nathan oder der Handlungsreisende Willy Loman, ist untätowiert. Der Film-Peter ist es umso mehr. Sein massiger Körper ist eine große Spielfläche für Körpergrafiker, und Gezeichnete sind im Kino mittlerweile so etwas wie Peter Kurths Rollenprofil geworden. Wuchs ihm 2015 in «Die Kleinen und die...
