Carina Braunschmidt. Foto: Sandra Then

Basel: Rhythmische Routinen

Thom Luz nach Dante «Inferno»

Theater heute - Logo

Wieder am 28. März, 4., 19. April

Der Dichter Dante hat sich in ein Basler Theaterdepot verirrt. Dort steht er, umzingelt von einem Wald von Requisiten, und weiß nicht: auftreten oder abtreten? Vor 700 Jahren, im Originaltext des florentinischen Stadtaristokraten Durante Alighieri, hatte er es noch einfacher. Damals war ein Wald noch ein Wald, sprich: ein unheimlicher Ort, wo einen Raubtiere verfolgen und niemand sich wundert, fände sich das Tor ins Inferno hinterm nächsten Busch.

Im «Inferno» von Thom Luz im Schauspielhaus Basel bleibt nicht nur von Dantes Wald so gut wie nichts übrig.

Dasselbe Schicksal ereilt Dantes Verse. Über weite Strecken kommt der Basler Hausregisseur, dessen wunderliche, musikgesättigten Theaterwelten mittlerweile an vielen großen Häusern gefragt sind, ganz ohne Worte aus. Immerhin schleppen als Bühnenarbeiter eingekleidete Statisten anfangs zwei infernalische Raubkatzen quer durchs Schauspielhaus. Sie, die Arbeiter, werden Stück um Stück sämtliche Requisiten aus dem Raum entfernen, was den Insassen des Infernos (Carina Braunschmidt, Martin Hug, Lisa Stiegler, Simon Zagermann) keineswegs behagt. Offenkundig geht es um eine perfide Strafaktion. Darum, Erinnerungen abzuräumen, die durch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Wien: Schabernack satt

Der Galgen ist ein Turngerät. Am dicken Strick, der an ihm hängt, lässt es sich wunderbar durch die Lüfte schaukeln. Am allerbesten versteht sich in dieser Inszenierung der «Komödie der Irrungen» der Kerkermeister darauf. Er ist in Gestalt von Merlin Sandmeyer ein spaßiger Gevatter Tod, ein stöckchendünner Zappelphilipp der Unterwelt, ein akrobatischer Komödiant...

Kino

Nein, der Bühnen-Kurth, in letzter Zeit in Stuttgart etwa der weise Nathan oder der Handlungsreisende Willy Loman, ist untätowiert. Der Film-Peter ist es umso mehr. Sein massiger Körper ist eine große Spielfläche für Körpergrafiker, und Gezeichnete sind im Kino mittlerweile so etwas wie Peter Kurths Rollenprofil geworden. Wuchs ihm 2015 in «Die Kleinen und die...

Stern sucht Gemeinschaft

In den vergangenen drei Jahren tourte die liebevoll gefakete Ausstellung «Domo de Eu­ropa Historio en Ekzilo» des belgischen Regisseurs Thomas Bellinck durch die Festivals, in der aus der Perspektive der nahen Zukunft auf die zerfallene EU zurückgeblickt wird. Ein ähnliches Szenario entwirft nun auch die Wiener Dramatikerin Miroslava Svolikova (geb. 1986) in ihrem...