Nicolas Stemann: Wir sind Ödipus

Überlegungen zum politischen Theater der Gegenwart

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Wie ist es möglich, im Theater angesichts der drängenden ungelösten Probleme in der Welt noch künstlerische Freiheit zu behaupten? Ohne, so müsste man hinzusetzen, dass dies auf Freiheit von Realität und Verantwortung hinausläuft? Es steht die Befürchtung im Raum, dass politisches und soziales Engagement das Theater dümmer und schwächer machen, als es ist. Wenn dies notwendig so ist, dann haben wir in der Tat ein Problem, denn dann wird das Theater in der Folge unter der Last dieser Verantwortung zusammenbrechen.

Dann bliebe tatsächlich nur, sich vor den Zumutungen der Tagesaktualität zu drücken – was letztlich einer Flucht in die Irrelevanz gleichkommt.

Die neue Einfachheit

Wir leben in einer Zeit der einfachen Antworten. Was nicht in einen Hauptsatz passt, überfordert. Was sich nicht mit einem Ausrufungszeichen versehen lässt oder ebensogut mit einem Emoticon ausgedrückt werden könnte, ist verdächtig. Wo die Fundamentalismen den Ton angeben, gibt es nur noch Freund oder Feind, Like oder Dislike. Wo Meinungen produ­ziert werden statt Argumente, bleibt wenig Platz zum Nachdenken.
Dieser Trend hat auch das Theater ergriffen. Aussagen stehen hoch im Kurs. Man interessiert sich weniger ...

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Theater heute März 2016
Rubrik: , Seite 36
von Nicolas Stemann

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