Neue engagierte Kunst

Endlich mal direkt sein: Im Kunstaktivismus überlagern sich politische Aktion und partizipative Kunst

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Was ist das größere Verbrechen: in eine Bank einzubrechen oder eine Bank zu gründen? Was ist der größere Skandal: Flüchtlingsleichen nach Deutschland zu karren und zu beerdigen oder diese Toten verschuldet zu haben? Darf man ein Gespräch über Bäume führen, wenn die Welt sich von Krise zu Krise hangelt oder muss man all sein künstlerisches Können in den politischen Kampf einbringen? Wer ist besser geeignet, entfremdete Verkäuferinnenarbeit zu zeigen und zu analysieren – die Verkäuferinnen selbst oder Regisseure/Dramaturgen/ Schauspieler? Wer spricht für wen, wer darf wen repräs

entieren, mit welchem Recht – und wer bleibt unrepräsentiert?

Was vor rund fünfzehn Jahren als Trend, das «echte Leben» auf die Bühne zu holen, begann, hat sich vor dem Hintergrund tiefgreifender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Krisen vielfach in das Bedürfnis verwandelt, sich selbst und oft sehr konkret mit seiner Kunst in das «echte Leben» einzumischen. Nicht die Bühnenbretter bedeuten mehr die Welt, sondern draußen gilt es, mitzumischen. Der «social turn» vor allem in den Bildenden Künsten ist – wie die Kunsthistorikerin Claire Bishop analysiert hat – auch eine Wende hin zum Performativen: Oft ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Das Recht der Kunst, Seite 88
von Florian Malzacher

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