Die Sekunde der wahren Empfindung
Wer mit Ungeheuern kämpft», schrieb Nietzsche, «mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.» Von den Monstern unseres Energiezeitalters und der Liebe zwischen einer Biene und einem Wal erzählt Roland Schimmelpfennig in seinem 2013 in Tokyo uraufgeführtem Stück.
Ein kleines Hotel am Hafen. Jede Woche treffen sich hier drei Paare und mieten sich für ein paar Stunden ein Zimmer. Während Frau Z. mit Herrn A. im Bett liegt, betrügt Herr Z. sie nebenan mit Frau Y. Und in Zimmer Nr. 3 schläft Herr Y. mit Frau A. Keiner ahnt, was im Nachbarzimmer geschieht.
Die verheirateten Frauen und Männer, die sich heimlich treffen, haben ihren außerehelichen Geschlechtsverkehr perfekt organisiert. Alles läuft nach Plan, wie auf einem Großflughafen. Denn jedes Paar hat seine festen Rituale.
Das erzählt der Junge mit der Brille, der hier Hotelportier ist, und dem Mädchen mit dem Fahrrad Liebesbotschaften simst. Sie nennt ihn Wal, und er nennt sie Biene. Am liebsten würden sie noch heute heiraten. Aber wie in der Ballade von den zwei Königskindern begegnen sie sich nie. Weil er am Hafen arbeitet und sie auf einem Berg wohnt. Nichts kann diese heimlichen Montagsaffären erschüttern, es sei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 190
von Ingoh Brux
Wir hatten ja auch gute Jahre», sagt in Ralf Rothmanns Roman «Milch und Kohle» die Mutter der Hauptfigur Simon. Die Beckmann-Geschwister, die zu viert bzw. zu fünft eingerechnet den Sohn von Maja selbst eine schöne Rothmann-Collage entwickelten und damit vor allem rundum im Revier gastierten, hatten und haben, nehme ich an, viele gute Jahre miteinander.
Lina...
Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich...
Das ideale Ensemble erwacht um 5.19 Uhr bei Sonnenaufgangunter der Brücke, es hat mit einem Chor von Bürgern die Nacht verbracht, um die Räumung eines Obdachlosen zu verhindern. Das ideale Ensemble geht direkt auf die Probe und fühlt sich trotz der kurzen Nacht ausgeruht, es hat sich regelrecht erholt in der letzten Zeit und die Massenproduktion den neuen Märkten...
