«Ich bin keine Flöte!»

Samuel Finzi lässt sich nichts vorschreiben. Deshalb war Dimiter Gotscheff sein idealer Regisseur. Ein Proben­besuch und ein Gespräch mit dem Schauspieler des Jahres

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Er trägt den Anzug, er diktiert die Regeln. Es gibt allerdings nur eine einzige, von Wladimir ständig wiederholte: «Wir warten auf Godot!» Der bekanntlich nicht kommt in Becketts schwebendem Spiel der Sinnlosigkeiten, die das Leben ausmachen, das trotzdem irgendwie gelebt werden will. Also werden sie zu «Zauberkünstlern», die «immer was finden, was uns glauben lässt, dass wir existieren», wie es in Elmar Tophovens Übersetzung im Deutschen Theater heißt: zu virtu­o­sen Zeittotschlägern.

 Anzugträger Samuel Finzi mit der beschlipsten Brust, und der allzeit wegstrebende und stets zurückkehrende Estragon, Wolfram Koch, Didi mit Schuhen, Gogo barfuß, passgenaue Ergänzungen. Sie ergänzen sich sogar beim Stinken: Wladimir stinkt aus dem Mund, Estragon von den Füßen. Sie sind Pingpongspieler der Vergänglichkeit, wenn sie sich die imaginierten Bälle zuschnipsen, die das Loch verfehlen, an Köpfe knallen oder im Mund landen – ein Ballett des wortlosen Mitein­anderspielens, der perfekten Synchronisation. Irgendwann bietet Didi Finzi Gogo Koch an, auseinanderzugehen; das ist natürlich gar nicht ernst gemeint und wäre eine Katastrophe, was man aber der gleichmüti­gen Stimme nicht anmerken soll – ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 116
von Barbara Burckhardt

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