Nachruf: Der Mann aus Tilsit
Am 26. April 2016 ist der Intendant Horst Statkus fast 87-jährig in Heidelberg gestorben.
The hours now come. Horst Statkus war immer Dramaturg, manchmal Regisseur und sechsundzwanzig Jahre lang Intendant in Heidelberg, Basel und zuletzt in Luzern. Seit sechzehn Jahren lebte er mit seiner Frau, der Schauspielerin Elke Stoltenberg, wieder in Heidelberg. Nie hat er aufgehört Gesprächspartner, Ratgeber, Instanz für viele von uns zu sein.
Und so ist es eine große Kinderschar, die Horst Statkus traurig und nachdenklich zurücklässt; ich bin eines dieser Kinder.
Jetzt, in diesen Tagen nach seinem Tod, frage ich mich, wie etwas vom Zauber dieses besonderen Mannes greifbar zu machen ist, der in seiner Theaterarbeit die unterschiedlichsten Menschen verbunden und auf den Weg gebracht hat. Zuvorderst: Es war Verlass auf ihn. Er war ein Intendant der verbindlichen Teilnahme und Teilhabe. Da stand einer in der Mitte, der seine Position ganz genau erfasst und gefüllt hat. Und weil er so stabil in seiner Mitte stand, waren auch all die Streitgespräche möglich, die eine Inszenierung idealerweise begleiten.
What seest thou else / In the dark backward and abyss of time? Geboren wurde Horst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Muriel Gerstner
Es ist noch ziemlich am Anfang dieser knappe fünf Stunden währenden Reise in die Nacht, da flimmern ein paar kurze Szenenausschnitte aus einem frühen Fassbinder-Film über die Screens, auf denen später die Castorf-Crew in stickigen Séparées übereinander herfallen wird.
«Warnung vor einer heiligen Nutte» aus dem Jahr 1971 heißt die radikale Selbstanalyse über ein in...
Machen Sie mal alle: Ohhh!», grinst der «Musiktherapeut Hubert Wild» in die Zuschauerrunde und nervt gleich übergriffig weiter: «Staunen Sie mal in Ihren Hocker rein!» Man hatte ja durchaus befürchtet, dass sich dieses in jeder Hinsicht hohle Sitzmöbel, das man eingangs aus Pappmaché selbst hatte basteln müssen, zum zentralen Handlungsträger dieses seltsamen...
Musste das sein, dass noch die dümmsten Vorurteile gleich am Anfang der Reise bestätigt wurden? «Odin!», rief die Mutter auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Gera am frühen Sonntagmorgen, «Odin, komm her!» Und der Kleine trabte gehorsam zu den Eltern; sein Vater setzte die Bierflasche an, spannte noch etwas drohend den Rücken, und man konnte nun die Schrift «Thor...
