Nach der Transzendenz
Erzählt einander die Lebensbilder», das ist einer der Imperative am Schluss von Peter Handkes dramatischem Gedicht «Über die Dörfer». Lebensbilder zu erzählen, das scheint Roberto Ciullis Alterswerk im Theater an der Ruhr Mülheim zu sein. Szenische Porträts seiner Hausgötter und ihrer Propheten mit biografischer Information und bilderreichen Kommentar zu ihrem Werk: Auf Antonin Artaud, Pier Paolo Pasolini und Friedrich Nietzsche folgte nun Peter Handke.
Das sind szenische Bilderwelten geschaffen aus Schriftstellerei, Essays, vergessenen dramatischen Werken, abgeklärt wie Goethes Spätwerk «Faust II», aber lebendiger. Nicht auf das ewige Leben komme es an, sondern auf die «ewige Lebendigkeit», hieß es in Ciullis Nietzsche-Projekt (s. auch S. 65f.).
Nun «Über die Dörfer» – wer will da schon mitwandern? 44 Jahre lang wurde Handkes autofiktionales «dramatisches Gedicht» (fast) nicht gespielt. Zu heftig waren die Invektiven nach der Uraufführung 1982: «monströser Kitsch» (Peter Iden), «Religionssurrogat» (Rolf Michaelis), «das schlechte alte Theater» (Peter Friedl) «humorlos verstiegen» (Peter von Becker), «hochtrabend-bängliche Heimat-und-Ursprungs-Frömmeleien» (Christian ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Gerhard Preußer
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