Das Drama flach halten

Robert Ickes Politthriller «Ödipus» am Residenztheater und Jan Friedrichs Adaption von Tonio Schachingers «Echtzeitalter» für das Münchner Volkstheater

Theater heute - Logo

Ein bisschen erinnert er an JD Vance, dieser Anzugtyp, der da in Großprojektion auf dem Vorhang populistisch in der Menge badet, dabei straight und siegessicher in die Kamera grinst. Und dann auch wieder nicht. Zumindest scheint er nicht bedingungslos an brutale Remigrationsprogramme und identitäre Privilegien zu glauben.

Der Ort der Geburt, ist der wirklich so wichtig? Und «die ganze Reise einer Person durch die Zeit bedeutungslos?» Im Hintergrund sieht man jubelnde und skeptische Gesichter, Schilder mit Namensschriftzug werden hochgehalten, die Stimmung eher erwartungsvoll, gewaltbereit.

Robert Icke lässt seine «Ödipus»-Version an einem Wahlabend spielen. Die Lokale sind geschlossen, die Stimmen werden gerade ausgezählt, in zwei Stunden erste Hochrechnungen erwartet. Doch muss, wer nach der Macht greift, erst einmal akribisch in der eigenen Vergangenheit aufräumen? Gehören Taktieren, Lavieren und Vertuschen nicht vielmehr zum politischen Kerngeschäft? Ist Sophokles’ Prozess der radikalen Selbsterkenntnis das Verfahren, mit dem sich moderne Autokraten durchleuchten lassen? Der Abend, der mit der zerstörerischen Macht der Wahrheit spielt, wird diese Fragen allerdings bald aus den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Im Wandel des Leids

Gebannt fixiert der schmächtige, in sich gekehrt wirkende Junge das kesse, wendige Mädchen, das ihm provozierende Fragen stellt. Gerade zehn Jahre alt sind Jules und Alva, als sie im Internat aufeinandertreffen – am Schauspiel Bochum ein sich ins Dunkel verlierender, unwirtlicher Raum. Einige Augenblicke später sind sie bereits 16 Jahre und verabreden sich,...

«Es fühlt sich an wie Liebeskummer»

Theater heute Sesede Terziyan und Hakan Savas Mican, Sie haben schon von 2008 bis 2013 am Ballhaus Naunynstraße zusammengearbeitet und sind dann mit Shermin Langhoff 2013 ans Gorki Theater gegangen. Wie waren Sie involviert in die Entwicklung des «postmigrantischen Theaters»? 
Hakan Savaş Mican Eigentlich halte ich nicht viel von dem Begriff. Ich habe Geschichten...

Impressum TH 6/26

Pläne der Redaktion
Wilfried Schulz verabschiedet sich nach zehn Jahren vom Düsseldorfer Schauspielhaus, dem er ein neues Selbstverständnis gegeben hat: eine Bilanz

Wer kann von sich behaupten, vom Schauspieler zum Bühnenbildner zum Regisseur ge- wechselt zu sein? Wolfgang Menardi! Ein Porträt

Wenn schon Nostalgie, warum dann nicht eine Orwell-Verfilmung von...