Mysterien des Jetzt
Die Antarktis und das Weltall haben eins gemeinsam: Ungeschützt kann der Mensch dort nicht überleben. Dringt er dennoch, etwa aus Neugier oder zu Forschungszwecken, in sauerstoffarme oder eiskalte Weiten vor, bleiben seine Bewegungs- und Handlungsspielräume extrem begrenzt. Die größte Herausforderung im menschenfeindlichen Umfeld ist deshalb vermutlich die Langeweile. Auch wenn es in Jan-Christoph Gockels Doku-Theaterstück «Polaris» zunächst so aussieht, als sei die größte Bedrohung des Menschen, wie sonst überall, der «Scheißmensch».
Inspiriert wurde der Regisseur nämlich von einem realen Mordversuch, der sich 2018 auf der russischen Bellingshausen-Station zutrug. Dort stach der 54-jährige russische Ingenieur Sergej Sawizki mit einem Küchenmesser auf seinen 52-jährigen Kollegen Oleg Belogusow ein. Und zwar – so berichtete der «Spiegel» – weil Letzterer dem Angreifer ungefragt den Ausgang eines Krimis gespoilert hatte. Klingt fast nach einer Komödie, zumal das Opfer überlebte.
Jan-Christoph Gockel überließ nichts der Fantasie und setzte umfangreiche, vermutlich kostspielige und kerosinintensive Recherchen in Gang. Zum einen schickte er den russischen Regisseur und Performer Sergei ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Eva Behrendt
«Diese Festivals sind gerade hungrig nach ‹Dritte Welt›-Geschichten», erklärt Anacarsis Ramos seiner 66-jährigen Mutter auf der Bühne. «Also hat das Stück einen hohen Marktwert: Es zeigt eine braune, arme, lateinamerikanische Mutter aus der Arbeiterklasse und ihren queeren, armen, neurodivergenten Sohn.» – Lachen im Publikum.
Zehn Jahre hatte der Regisseur und...
Chloe hat ein Problem. Tropfnass, gesichtsbandagiert und mit entsprechend eingeschränktem Sehvermögen steht sie in einem schäbigen Motelzimmer irgendwo in der kalifornischnevadischen Wüste herum. Und wer nach dem Poolbesuch noch nicht mal das eigene Handtuch findet, den sollte man erst recht nicht nach einem stabilen Selbstbild fragen.
Keine Peilung, nirgends also...
Wer an Irland denkt, kann rasch ins Träumen geraten. Satte, grüne Landschaften entstehen vor dem inneren Auge – und derzeit auch auf der Bühne des Mainzer Staatstheaters, wo tatsächlich eine liebliche Wiese vor zwei gemauerten Rundbögen und einer alten Kutsche liegt. Selbstverständlich mit Efeu. Es ist die verschnörkelte Kulisse für eine verblüffende, so noch nie...
