Der 41. Job

«Mi Madre y el Dinero» («Meine Mutter und das Geld») von Anacarsis Ramos/Pornotráfico macht aus der Not eine Tourneetugend, u.a. im HAU Hebbel am Ufer

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«Diese Festivals sind gerade hungrig nach ‹Dritte Welt›-Geschichten», erklärt Anacarsis Ramos seiner 66-jährigen Mutter auf der Bühne. «Also hat das Stück einen hohen Marktwert: Es zeigt eine braune, arme, lateinamerikanische Mutter aus der Arbeiterklasse und ihren queeren, armen, neurodivergenten Sohn.» – Lachen im Publikum.

Zehn Jahre hatte der Regisseur und Dramatiker Ramos in Mexiko-Stadt gelebt, mit Gleichgesinnten die Kompagnie Por -notráfico gegründet und seine schwule Identität gefunden.

Dann musste er aus finanziellen Gründen zurück nach Campeche ziehen, in das Haus seiner Mutter, und damit zurück in die Lebensumstände, aus deren Armut und Gewalt er geflohen war. Dass der autofiktionale Theaterabend ein Versuch ist, diese alte, zutiefst problematische Beziehungsgeschichte aufzuarbeiten und sie neu zu verstehen, ist schnell klar. Für das Stück heißt das: Die sozioökonomischen Umstände zu begreifen, die Biografien wie die von Josefina Orlaineta hervorbringen.

Auf der Bühne stehen schlicht zwei weiße Campingstühle, ein Tisch und ein breites Keller-Regal, das alle Requisiten des Abends aufbewahrt. Der große Screen im Hintergrund hinterlegt Erzählungen und Dialoge mit ...

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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Anja Quickert

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