Muster, die verbinden
Heinz-Norbert Jocks Sie sagten einmal, der Darsteller müsse, wie alle anderen Künstler, mit dem Körper denken. Warum betonen Sie die Körperlichkeit so stark?
Robert Wilson Der Geist ist ein Muskel. Zeit ist etwas, das wir erleben. Nichts Intellektuelles. Über mein Theater wird gesagt, man bewege sich langsam. Wenn man denkt, man bewegt sich langsam, denkt man nicht darüber nach. Sobald man dies aber tut, ist es voll von Zeit und etwas, das man mit dem Körper und nicht nur mit dem Kopf erlebt. Der Körper lügt nicht.
Die Wahrheit liegt in dem, was du erlebst. Wenn ich das Kristall meiner Uhr berühre, ist sie kühl. Das ist eine Wahrheit. Wenn ich meine Stirn berühre, ist sie warm. Das ist ebenfalls die Wahrheit. Wenn ich einen Sonnenuntergang sehe, so ist das etwas, was ich erlebe, kein intellektueller Prozess. Martha Graham sagte: «So etwas wie keine Bewegung gibt es nicht. Sie existiert, solange wir leben.» Wenn wir uns dieser Bewegung bewusst sind und uns nach außen hinbewegen, geht die Linie weiter. Und John Cage sagte: «So etwas wie Stille gibt es nicht», und wenn wir ganz leise zuhören, wird sich die Abfolge der Klänge, die wir in der Stille vernehmen, niemals wiederholen. Von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Akteure, Seite 26
von Heinz-Norbert Jocks
Lakonisch plakatieren die Bühnenarbeiter zu Beginn der Inszenierung einzelne Papierbahnen zum Prospekt. Die Fotografie fixiert einen nackten Mann im Moment des Sprungs, allein auf einer sonnigen Dachterrasse. Seine Arme umfassen die angewinkelten Beine, das lange pechschwarze Haar verhüllt sein Gesicht und steht steil in der Luft, aller Schwerkraft zum Trotz. Die...
Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Auch wenn es sich bei beiden Menschen um Frauen handelt. So erzählt es Anna Bergmann, Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe, in ihrer Bühnenfassung von Christa Wolfs Roman «Medea. Stimmen». Wo im Roman die mythologische Figur Medea noch von den Intrigen eines männlichen Kontrahenten, nämlich dem Astronomen Akamas,...
