Gewalt und Familie
Dieser Typ – breite Schultern, ordentlich Bauchansatz und mehr Tattoos als Haut auf den nackten Armen – macht einfach weiter: Stoisch baut er aus ein paar Holzplatten ein Podest, schraubt Wände daran, befestigt Scharniere. Zufrieden steckt er kurz die Hände in die Hosentaschen, geht etwas zur Seite, raucht eine Selbstgedrehte. Dann baut er wieder. Ruhig und unermüdlich. Fügt eine Tür ein, verlegt einen Teppich, zieht eine Waschmaschine nach vorn, tapeziert Wände.
Er tut das den ganzen Abend lang, völlig ungerührt vom Geschehen auf der Bühne, jener Bühne, die er gerade zusammenbaut.
Darauf und davor berichtet ein gewisser Christian aus seiner Kindheit. Kein Spaß war diese, und doch für ihn normal. Dass sein Vater Alkoholiker, jähzornig und gewalttätig war, dass dieser regelmäßig seine depressive Mutter zusammenschlug und dass sich er und sein älterer Bruder Benny dann tief unter die Bettdecke verkrochen. Davon erzählt er und vom ständigen Abschotten der Familie, damit bloß keiner was merkt: «Unsere einzige und wichtigste Strategie in der neuen fremden Umgebung war, nicht aufzufallen, unsichtbar zu sein.» Er erinnert sich auch an jene wenigen schönen Nächte, in denen er mit seinem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Katrin Ullmann
Das Kind sitzt im Birnbaum und erfindet die Welt. Aber nichts von dieser eigenen Welt gehört wirklich ihm – denn derart symbiotisch ist die Verbindung zum Vater, dass der Junge dessen Träume noch einmal träumt. Die Astgabel im Baum – so stellt er sich das vor – ist der Pilotensitz eines Kampffliegers, und mit Birnen legt er immer wieder Rotterdam in Schutt und...
ALTENBURG GERA, THEATER
12. nach den Gebrüdern Grimm, Das tapfere Schneiderlein
R. Manuel Kressin
ANSBACH, THEATER
4. Willemsen, Habe Häuschen. Da würden wir leben
R. Robert Arnold
16. Jacobs und Netenjacob, Extrawurst
R. Axel Krauße
BADEN-BADEN, THEATER
4. Tabori, Mutters Courage
R. Franziska Stuhr
BASEL, THEATER
4. nach Balzac, Verlorene Illusionen
R....
Ihr Anblick ist faszinierend – und gleichzeitig zutiefst befremdlich: Neben den diversen Fischarten, die oben rechts in die Bühnentiefe zu tauchen scheinen, verharren Schnecken- und Muschelarten dekorativ in der Mitte. Direkt neben den Robben haben sich die Schmetterlingsarten ordentlich aufgereiht, und aus der unteren Reihe des dreidimensionalen Bühnen-Setzkastens...
