«Carl auf Klo»
«Was macht man als Glück suchender Nicht-Philosoph?», fragt Carl Hegemann. «Vielleicht geht man ins Theater.» Und entwickelt so in seinem Text «Glücklich im Unglück» eine Art praxisbezogene Dramaturgie: «In der Tragödie bestimmt das Theater das Glück, indem es das Unglück ausspricht, vielleicht noch drastischer und deutlicher als dies im Bereich des reinen Denkens möglich ist.» Dass «Glücklich im Unglück» nach Einleitung und Opening der erste Beitrag des Sammelbandes «Dramaturgie des Daseins» ist, macht einen als Theatergänger auf jeden Fall, naja, glücklich.
Herausgeber Raban Witt hat für «Dramaturgie des Daseins» Texte versammelt, die Hegemann während der vergangenen 21 Jahre geschrieben hat: Programmheftaufsätze, Essays, Vorträge, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge (auch für «Theater heute»). Dramaturgenalltag eben. Was fehlt: Die schon verhältnismäßig gut dokumentierten Jahre, in denen Hegemann ab 1992 Frank Castorfs Volksbühne programmatisch zu erfinden half. Stattdessen behandelt der Band Texte des späten Dramaturgen Hegemann, der sich nie längere Zeit fest an ein Haus binden will und der am Hamburger Thalia Theater, bei den Bayreuther Festspielen, an den Münchner ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Bücher, Seite 71
von Falk Schreiber
Die blaue Musik-Box beginnt langsam zu nerven: Sie diktiert, worüber wir reden sollen, sie spielt laute Tiergeräusche ab, in der Hoffnung, dass sie uns peinlich sind, und sie gibt ein fast militärisches Tempo vor. Die Box ist die Hauptfigur in «Utopolis», einem jener theatralen Stadtspaziergänge, die unter Corona-Bedingungen boomen, inszeniert vom Regie-Kollektiv...
Es kommt nicht alle Tage vor, dass man einen neuen Theaterraum einweiht. Mit der Premiere der Studioinszenierung «Jede Stadt braucht ihre Helden» von Philipp Löhle, das 2015 am Deutschen Theater uraufgeführt wurde, hat das Schauspielhaus Chemnitz seine kleine Interimsspielstätte im Spinnbau, einer alten Fabrik für Spinnereimaschinen, eingeweiht. Kein einfacher...
Das letzte Abendmahl ist ärmlich, die Nachthemden sind knöchellang, die Bärte falsch, Choräle klingen schief, und der Teufel sitzt auch mit am Tisch. Das kann nur ein religiöses Laientheater werden. Die Souffleuse kommt als schlüsselschwingende Krankenschwester auf die Bühne. Im Irrenhaus sind wir also, wie bei Peter Weiss’ «Marat/Sade». Robert Borgmanns Bochumer...
