«Carl auf Klo»

Der Band «Dramaturgie des Daseins» sammelt das komplexe, wirre und hochkonzentrierte Denken Carl Hegemanns in heterogenen Texten

Theater heute - Logo

«Was macht man als Glück suchender Nicht-Philosoph?», fragt Carl Hegemann. «Vielleicht geht man ins Theater.» Und entwickelt so in seinem Text «Glücklich im Unglück» eine Art praxisbezogene Dramaturgie: «In der Tragödie bestimmt das Theater das Glück, indem es das Unglück ausspricht, vielleicht noch drastischer und deutlicher als dies im Bereich des reinen Denkens möglich ist.» Dass «Glücklich im Unglück» nach Einleitung und Opening der erste Beitrag des Sammelbandes «Dramaturgie des Daseins» ist, macht einen als Theatergänger auf jeden Fall, naja, glücklich.

 

Herausgeber Raban Witt hat für «Dramaturgie des Daseins» Texte versammelt, die Hegemann während der vergangenen 21 Jahre geschrieben hat: Programmheftaufsätze, Essays, Vorträge, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge (auch für «Theater heute»). Dramaturgenalltag eben. Was fehlt: Die schon verhältnismäßig gut dokumentierten Jahre, in denen Hegemann ab 1992 Frank Castorfs Volksbühne programmatisch zu erfinden half. Stattdessen behandelt der Band Texte des späten Dramaturgen Hegemann, der sich nie längere Zeit fest an ein Haus binden will und der am Hamburger Thalia Theater, bei den Bayreuther Festspielen, an den Münchner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Bücher, Seite 71
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Präpariert Euch!

Ihr Anblick ist faszinierend – und gleichzeitig zutiefst befremdlich: Neben den diversen Fischarten, die oben rechts in die Bühnentiefe zu tauchen scheinen, verharren Schnecken- und Muschelarten dekorativ in der Mitte. Direkt neben den Robben haben sich die Schmetterlingsarten ordentlich aufgereiht, und aus der unteren Reihe des dreidimensionalen Bühnen-Setzkastens...

40 Jahre Systemfragen

«Was interessiert mich Kohle?», heult Orgon leise verzweifelnd und wälzt sich voll Selbstmitleid auf dem Boden. Den Hausherrn in Molières «Tartuffe» hat es in Soeren Voimas Nachdichtung der unverwüstlichen Betrügerkomödie in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts verschlagen, und ökonomisch steht er anfangs da, wo man in der guten alten sozialen Marktwirtschaft...

Deutschland, du mieses Stück Plastik

Fahrstuhlmusik begleitet den Einlass in die Diskothek des Leipziger Schauspiels: Musik, die keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Höhenangst nehmen soll. Dabei gibt es dort nichts, was in Unruhe versetzt: In die Bühne ist, den ganzen Raum ausfüllend, eine karierte Plastiktasche gehängt. Der Reißverschluss geöffnet. Auf dem Boden liegt als Fußabtreter ein...